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  • Kritik: "Lea" - ein Filmmärchen von Ivan Fila

    Hamburg (dpa) - Zwischen Bayern und seinen östlichen Nachbarn gibt es einen Grenzverkehr der besonderen Art. Nicht weit hinter der tschechischen Grenze können Männer aus Amberg, Cham oder Passau für wenige Deutschmark ein schnelles Liebesglück erstehen, das ihnen im eigenen Land offenbar unerreichbar ist. Die Geschichte vom reichen Deutschen, der in die Ferne zog, um sich für Geld die Frau seines Lebens zu kaufen, hat der tschechische Regisseur Ivan Fila in "Lea" nun als wenig originelles Leinwandmärchen verfilmt.

    Lea (Lenka Vlasáková) ist der Name einer jungen Frau aus der Ostslowakei, die seit der Zeit, als sie mit ansehen mußte, wie ihr Vater die eigene Mutter erschlug, nicht mehr spricht. Als ein niederbayerischer Möbelrestaurator (Christian Redl) ihrem Vater 50 000 Mark für seine Tochter bietet, überlegt dieser nicht lange, und Lea muß gegen ihren Willen mit dem einstigen Fremdenlegionär und Waffennarr als dessen Frau in den Bayerischen Wald ziehen. Dort wird sie wie eine Leibeigene gehalten und als Putzfrau und Köchin ausgebeutet.

    Aus dem anfänglichen Haß, den sie zunächst auf ihren gewalttätigen und lieblosen Ehemann hat, entwickelt sich mit der Zeit ein gegenseitiges Verständnis der beiden für einander. Für einen kurzen Moment finden die zwei Außenseiter trotz ihrer Sprachlosigkeit zusammen, um sich bald darauf jedoch wieder zu verlieren.

    "Lea" ist auf einer Reihe von Festivals mit Preisen ausgezeichnet worden, darunter dem diesjährigen Max-Ophüls-Preis gewinnen. Dennoch erscheint die Geschichte, die Ivan Fila geschrieben und inszeniert hat, bisweilen sehr plakativ. Die Realität von Frauenhandel und Prostitution in den ärmeren Regionen dieser Welt ist zu trist, als daß sich damit glaubhaft ein Märchen erzählen ließe, ohne zum Rührstück zu werden. Die Handlung wirkt klischeehaft, und weder Christian Redl noch Lenka Vlasáková schaffen es, ihre Rollen glaubwürdiger erscheinen zu lassen als sie ins Drehbuch geschrieben wurden.

    Einzig Hanna Schygulla, die in einer Nebenrolle auftritt, bringt dem Film einige überzeugende Momente. Als Übersetzerin Wanda ist sie es, die die beiden ungleichen Partner zueinander führt. Indem sie die zahllosen Gedichte, in denen Lea ihre Verletzlichkeiten und Ängste niederschreibt, ins Deutsche überträgt, macht sie dem Mann die Gedankenwelt seiner Frau erst zugänglich.

    Von Peter Zöttl, dpa

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