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  • Kritik: "Lautlose Schreie"

    Hamburg (dpa) - Keiner kann sich erklären, warum der kleine Oliver eines Tages plötzlich stark am Kopf verletzt ist. Niemand versteht, wie er sich ein anderes Mal die Hand dick und blau quetschen konnte. Eltern und Lehrer stehen vor einem Rätsel. Doch in seinem Vater keimt ein schrecklicher Verdacht: Der Neunjährige wird von dem neuen Freund seiner geschiedenen Frau mißhandelt.

    Beweisen kann er aber nichts, denn der Junge schweigt. Unter dem treffenden Titel "Lautlose Schreie" kommt am Donnerstag (21. November) ein neuer Film der britischen Regisseurin Angela Pope ins Kino, der feinfühlig die großen seelischen Schmerzen eines mißhandelten Kindes auf die Leinwand bringt.

    Ein Streifen, der gerade angesichts der wachsenden Zahl von Kindesmißhandlungen große aktuelle Brisanz besitzt. Im letzten Jahr wurden bundesweit rund 1,5 Millionen Kinder allein mit Gegenständen körperlich mißhandelt, schätzt der Deutsche Kinderschutzbund in Hannover. Die im Film gezeigten Reaktionen auf die körperlichen und psychischen Qualen des Kindes sind typisch: Oliver (Sam Bould) schottet sich von der Außenwelt ab und flüchtet in seine eigene Welt. Schweigen ist stets die gleiche Antwort auf die unzähligen Fragen seines besorgten Daddys Martyn (Martin Donovan), die Angst vor neuen Schlägen nimmt dem Kind die Stimme.

    Um seinen Sohn zu schützen, versucht Martyn mit allen Mitteln, das Sorgerecht für Oliver zu bekommen. Für den bisexuellen Arzt beginnt wegen seiner Affäre mit einem Mann ein langer, nervenzehrender Kampf mit den Behörden, in dem letztlich jeder Beteiligte seelisch oder juristisch unterliegt. Auch Mutter Hannah (Joely Richardson) kämpft - gegen das Mißtrauen ihres Ex-Mannes und gegen die gräßliche Angst, Martyns Verdacht könnte sich bestätigen.

    Leider versucht Pope mit ihrem tragischen Familiendrama, zu viele soziale Probleme mit einer Film-Klappe zu schlagen. Plötzlich dreht es sich nicht mehr um Oliver, sondern um den schwulen Martyn, der als Außenseiter der Gesellschaft abgestempelt wird und daher im Verfahren zunächst unterliegen muß. Auch wenn Pope hier den Themen-Fächer nach eigenen Angaben bewußt ausgebreitet hat, "um das weite Feld menschlicher Beziehungen zu beleuchten", geht dies eindeutig auf Kosten von Olivers Leidensgeschichte. Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack und die Erinnerung an einen ungewöhnlichen und schwer verdaulichen Film, der weder Sieger noch Verlierer kennt.

    Von Birgit Reichert, dpa

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