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  • Kritik: Lauter komische Frauen

    Drei Dinge braucht der deutsche Film für einen Hit: verdammt starke Frauen, rettungsloses Liebes-Chaos und eine doppelte Ladung Situationskomik. Nach diesem Muster produziert die deutsche Filmindustrie derzeit wie im Rausch. Doch die Masche geht nicht immer auf.

    Vorläufiger Höhepunkt dieser Welle: Dennis Satins Actionkomödie "Nur aus Liebe". Der Film-Autodidakt hat alles perfekt arrangiert: Katja Riemann spielt die Berlinerin von nebenan - patent, eigensinnig, pleite. Hannes Jaenicke gibt einen mysteriösen Russen, der ihr eine Scheinehe anbietet, um seine Gangstervergangenheit zu begraben. Doch just als die gekaufte Romanze in echte Gefühle ausartet, platzt die Russenmafia in Gestalt von Heinz Hoenig und seinen Gorillas ins Geschehen. Fortan erschöpft sich der Film in wilden Jagden durch Berlin und einem so routiniert aufgezogenen Showdown, als wollten sich die Macher für Hollywood bewerben.

    Ein anderes Rezept probiert Gabriel Barylli. Er inszeniert die Liebeskrisen der "Honigmond"-Heldinnen als ständigen Taumel am Rande des Nervenzusammenbruchs: Christine (Julia Stemberger, Porträt siehe Bereich 'Menschen') weint einer verlorenen Liebe nach, Linda (entnervend: Anica Dobra) sammelt Heiratsanträge, um sie abzuschmettern, Barbara (Veronica Ferres in "superweiblicher" Rolle) bringen die Eskapaden ihres Mannes um ihren eh etwas beschränkten Verstand.

    Die Frauen sind in "Honigmond" ein ganzes Stück durchgeknallter als im Bevölkerungsschnitt, Männer kommen fast nur als Dummbolzen vor. Eisern vermeidet Barylli jede Ähnlichkeit mit dem wirklichen Leben - vom Zuschauer verlangt das ziemlich viel Sinn fürs Groteske.

    "Nach fünf im Urwald" schließlich ist der Geheimtip dieser komischen Frühjahrsoffensive: Die 17jährige Anna (Franka Potente) büxt nach dem elterlichen Gezeter wegen einer wüsten Party nach München aus - eine Standardsituation im Generationskonflikt, die allein nicht viel verspricht. Doch während Landpomeranze Anna auf der Piste ernüchternd abgezockt wird, entpuppen sich ihre Eltern (Dagmar Manzel, Axel Milberg) unvermutet als recht lockere Typen, die das Jointdrehen nicht verlernt haben. Regisseur Hans-Christian Schmid beweist mit seiner Alltagskomödie eine sichere Hand für Ironie und Dialoge ohne gestanzte Sätze. Und hat mit Franka Potente eine echte Entdeckung gemacht.

    Copyright: TV TODAY, 1996

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