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  • Kritik: Laut und grell

    Nur die Stimmen stimmen. Wie gewohnt denkt Oberinspektor Derrick in beruhigendem, überlegenem Tonfall laut über Mord nach.

    Wie sonst hat Assistent Harry allerhand arglose, kleine Nachfragen. Horst Tappert und Fritz Wepper geben dem Zeichentrickfilm «Derrick - Die Pflicht ruft!» als Sprecher eine authentische Note. Sonst ist in der grell-bunten Derrick-Parodie aber nichts wie sonst.

    Trickfilm hat wenig gemein mit dem Ermittler aus 281 ZDF-Krimifolgen

    Der gezeichnete Derrick aus der Trickschmiede von Michael Schaack, der mit seinen «Werner»-Filmen Millionen Freunde derber Gags ins Kino lockte, hat wenig gemein mit dem Ermittler aus 281 ZDF-Krimifolgen. War der Erfolg des Originals vor allem Resultat von Feinsinn und Bescheidenheit, ist der neue Derrick eher ein Draufgänger. Er springt plötzlich per Fallschirm aus Flugzeugen, lässt sich im Polizeirevier wie ein Idol feiern - und schimpft vor allem in einem fort auf seinen armen Partner Harry.

    Man durfte gespannt sein, wie Schaack und sein Team Derrick parodieren würden. Eine «deutsche Antwort auf Inspektor Clouseau und "Die nackte Kanone"» hatten sie angekündigt. Problem: Schon die ZDF-Serie, obwohl weitgehend ernst gemeint, entbehrte keineswegs eines gewissen Witzes. Je länger sich Autor Herbert Reinecker vor dem Serien-Aus 1998 Fälle aus dem Münchner Reichen-Milieu ausdachte, desto skurriler wurden die Geschichten und die immer stärker in den Vordergrund tretenden psychologischen Hintergründe. Ein Unikum in der Fernsehlandschaft nahezu ohne Action, mit fast schon meditativer Ruhe, jede Folge wie ein langsamer, ruhiger Fluss.

    Derrick-Charme bedeutet Schaack wenig

    Dieser eigenartige Derrick-Charme bedeutet Schaack wenig. Der Zeichentrick-Film entwirft eine laute, quietschige Szenerie. Ein Schlagersänger will beim Grand Prix groß rauskommen und meuchelt seine Konkurrenz. Er residiert wie ein Bösewicht eines James-Bond-Films in einer futuristischen Hitfabrik und hat sogar einen teuflischen Erfinder, eine Art sächselnder Q, an der Seite. Ständig ertönt täuschend echter, teilweise von Jürgen Drews gesungener Schlagerpop-Sound, Derrick und Harry tappen dafür lange im Dunkeln.

    Manche Scherze zielen treffsicher Motive der Krimiserie

    Manche Scherze zielen treffsicher auf ewig wiederkehrende Motive der Krimiserie. «Grauenvoll», stöhnt Derrick am Tatort in einem Nobelviertel, «seit 30 Jahren immer dieselbe Villa.» Ständig wird der berühmte Ausspruch «Harry, hol schon mal den Wagen» variiert. Im Grunde bleibt die Verarbeitung des Derrick-Stoffs aber oberflächlich. Nach Schaacks Worten geht es bei seinem Derrick um «zwei völlig unterschiedliche Typen, die miteinander auskommen müssen, und die Konflikte, die sich daraus ergeben». Während sich die Hauptfiguren im Zeichentrickfilm ständig gegenseitig verfluchen, ziehen beide in der Serie meist an einem Strang, wenn auch ungleich kräftig.

    Amüsant - das dick aufgetragene Nationalkolorit

    Amüsant ist das dick aufgetragene Nationalkolorit neudeutscher Trash-Kultur rund um Schlager und Entertainment. Naddel lässt in einer der Trickfiguren grüßen, den Irrsinn austauschbarer Casting-Bands nimmt der Film ausgiebig auf die Schippe. «Let's Get Happy», Ralph Siegels letzter verunglückter Versuch eines Eurovisions-Hits, kommt ebenso vor wie eine ahnungslose Musikjournalistin vom Fernsehen. Mit Derrick hat das alles allerdings weniger zu tun. Mit der Stimmung der Serie spielt der Film kaum - zu Gunsten einer Kanonade meist ziemlich einfacher Gags.

    dpa

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