40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Lars von Triers intelligente Parabel
  • Kritik: Lars von Triers intelligente Parabel

    Seinen Anti-Amerikanismus pflegt der Däne Lars von Trier seit Jahren mit Erfolg. Schon «Dancer In The Dark» (2000) war von Kritik am ungerechten Kapitalismus durchtränkt. In «Dogville» (2003) standen dann Ausbeutung, Vorurteil und Gewalt am Pranger.

    «Manderlay», der nach «Dogville» zweite Teil seiner offiziellen Amerika-Trilogie, widmet sich dem Thema Sklaverei: Der Film ist weitaus klüger und differenzierter, als es von Triers gern geäußerte verbale Provokationen gegen die US-Regierung vermuten lassen.

    «Amerika sitzt auf der ganzen Welt», schimpfte der 49-Jährige im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes, wo «Manderlay» im Wettbewerb lief, aber keinen Preis bekam. Das Land habe einen schlechten Einfluss - «nicht nur, weil Mr. Bush ein Arschloch ist». Die dänische Zeitung «Berlingske Tidende» widmete der Beleidigung einen Leitartikel und schrieb: «Von Trier ist ein begabter Filmregisseur, aber als politische Figur unbegabt und primitiv.»

    Die unbestrittene Begabung des Filmemachers zeigt auch «Manderlay» als streng theaterhaft inszenierte Parabel über die äußeren Bedingungen und inneren Auswirkungen von Sklaverei. Wie schon «Dogville» wurde der Film komplett in einer großen Halle gedreht. Als Requisiten reichen ein paar alte Türen, Betten, Mauerreste. Markierungen wie «Baum» auf dem Boden und bewusst künstliches Licht unterstützen den bühnenartigen Verfremdungseffekt. Keine Frage, «Manderlay» ist meisterlich inszeniert. Aber die stilistische Überraschung hat sich nach dem Vorgänger «Dogville» abgenutzt.

    Die junge US-Schauspielerin Bryce Dallas Howard tritt als Gangstertochter Grace beherzt und überzeugend in die Fußstapfen von Nicole Kidman, die nach «Dogville» wohl doch keine Lust hatte, sich nochmal in die Mangel von Triers zu begeben. Grace verbindet naiven Idealismus mit der brutalen Macht, die ihr die bewaffneten Männer ihres Vaters (Willem Dafoe) verleihen.

    Per Zufall kommt sie in den 20er Jahren an der Baumwollplantage Manderlay in Alabama vorbei. Ein Mann wird ausgepeitscht, ein schwarzer Arbeiter. Grace entdeckt entsetzt, dass in Manderlay - 70 Jahre nach der gesetzlichen Abschaffung der Sklaverei - noch Sklaven gehalten werden. Als die Herrin der Plantage (Laureen Bacall) stirbt, stürzt sich Grace - abgesichert durch die Gangster ihres Vaters - in ein soziales Experiment: Sie will die Menschen umerziehen und ihnen Demokratie und «Freiheit» bringen.

    Dass sie sich vom stolzesten Kerl der Gruppe (Isaach de Bankolé) freiwillig sexuell demütigen lässt, zerstört ihre ohnehin schwache Position vollends. Grace meint es gut und macht alles falsch. Sie scheitert an ihrer eigenen, anmaßenden Dummheit und der Angst der Schwarzen vor der schwierigen Selbstbestimmung.

    «Manderlay» ist ein klassisches Lehrstück im Sinne Bertolt Brechts. Am Beispiel von Grace ätzt Lars von Trier gegen ein Amerika, das die eigenen Werte rigoros über die Werte fremder Kulturen stellt und als bewaffneter «Freiheitsbringer» die Welt unsicher macht. Parallelen zum Auftreten der US-Armee in Ländern wie Irak sind durchaus beabsichtigt.

    dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Jochen Magnus

    Mail | 0261/892-330

    Abo: 0261/9836 2000

    Anzeigen: 0261/9836 2003

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Freitag

    1°C - 8°C
    Samstag

    5°C - 7°C
    Sonntag

    5°C - 9°C
    Montag

    3°C - 7°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!