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  • Kritik: Lars von Triers "Dogma 95"-Beitrag

    Jede Generation sucht sich ihre eigenen Wege aus der Konventionalität. In Lars von Triers Film "Idioten", der in den 90er Jahren spielt, geben Aussteiger vor, geistig behindert zu sein. Der dänische Regisseur stellte sein provokantes Werk im letzten Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes vor. Jetzt kommt es auch in deutsche Kinos.

    Nach Vinterbergs "Das Fest" ist "Idioten" der zweite Film, der nach den Regeln von "Dogma 95" gedreht wurde. Ziel dieser Vorgaben ist die Abkehr von zuviel technischer Raffinesse und filmischen Konventionen zugunsten authentischer Geschichten.

    Gemeinsam ist den Arbeiten des Filmemacher-Kollektivs, daß die Mitglieder Kino nicht als gemütliche Unterhaltungsveranstaltung verstehen. Auch Lars von Trier fordert die Zuschauer mit Inhalt und Form von "Idioten" vehement heraus. Erster Schauplatz ist ein Restaurant. Zwei offensichtlich geistig Behinderte stören durch ihr auffälliges Gehabe Ruhe und Ordnung und müssen zusammen mit ihren Pflegern das Lokal verlassen. Ein weiblicher Gast fühlt sich zu ihnen hingezogen und schließt sich ihnen an. Der politisch korrekt denkende Zuschauer verurteilt innerlich die fehlende Toleranz in dem Restaurant, doch dann stellt sich heraus, daß die vorgeblichen Idioten jeden an der Nase herumführen. Sie spielen verrückt, um die Reaktionen ihrer Umwelt auf die Probe zu stellen.

    Anschließend unternehmen die jungen Leute, die sich an diesem Projekt beteiligen, eine Fabrikbesichtigung. Dort legen sie ein so schockierendes Benehmen an den Tag, daß selbst die junge Frau nicht mehr weiß, ob sie das noch lustig finden soll. Darf man mit Behinderungen überhaupt scherzen, oder ist das moralisch verwerflich? Wie weit geht die Bereitschaft, Kontrollverlust selbst zuzulassen und bei anderen zu akzeptieren? Lars von Trier nimmt seinem Publikum jedes Gefühl von Sicherheit und zwingt es, ihm auch dann zu folgen, wenn es unbequem wird, wenn er die Grenzen des geltenden Kodex verschiebt oder gar aufgibt.

    Die eine oder andere als pornographisch einzustufende Szene gehört dabei noch zu den weniger tiefgehenden Irritationen. Ein "Idioten"- Szenario reiht sich an das nächste - zeitweise leider beliebig und ziellos, was daran liegen könnte, daß Lars von Trier nur vier Tage auf das Schreiben des Drehbuchs verwendet hat. Die Gruppendynamik führt bei einzelnen Beteiligten zu extremen psychischen Belastungen. Doch andere Mitglieder suchen sogar noch eine Steigerung: Jeder soll zurückgehen in sein Alltagsleben und dort seine Rolle als Idiot in der eigenen Familie spielen. Eskaliert das Experiment oder kann es am Ende die zwischenmenschlichen Beziehungen weiterbringen?

    Silke Weiss, dpa

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