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  • Kritik: Lars Beckers Krimi "Bunte Hunde":

    Die Welt ist ungerecht, daran besteht kein Zweifel. Erst werden die drei Autoknacker Toni (Peter Lohmeyer), Pepe (Til Schweiger) und Guru (Jan Gregor Kremp) geschnappt. Dann erhält ausgerechnet Guru, der Boß, nur eine Bewährungsstrafe, während die beiden anderen für lange Zeit im Gefängnis verschwinden sollen.

    Lakonisch erzählt der Hamburger Regisseur und Drehbuchautor Lars Becker in "Bunte Hunde" vom Schicksal der drei Diebe, die so gern auf großem Fuß leben wollten, aber die Spielregeln dabei übersahen.

    In knappen Bildern und Dialogen entwickelt sich die Geschichte dieses ungleichen Trios, das glaubt cooler zu sein als die Polizei. Für die Gefühle, da sind die Frauen zuständig, Dolores (Cathrin Striebeck) liebt Guru. Und Mona (Oana Solomonescu) liebt Toni. Das ist sein Glück. Mona hat den Vorstadtmief satt und genug Power, ihren Geliebten aus dem Gefängnis zu befreien. Für kurze Zeit scheint die Welt im Lot, aber der Verrat, mit dem Pepe seine Kumpel auslieferte, findet eine Nachahmerin. So ist auch das Glück zwischen Mona und Toni kündbar, bald schon hat die Realität sie wieder und es gibt den ersten Toten.

    Während die Polizei die Ausbrecher jagt, wird "Bunte Hunde" immer mehr zur Reise durch die bundesdeutsche Wirklichkeit. Sie ist multikulturell und die Stimmung in diesem Land ist am Ende dieses Jahrhunderts unterm Strich hoffnungslos, so zeigt Becker, der auf diese Art auch eine milde Form von Sozialkritik übt. Es gibt keinen Grund zum Optimismus - weder für die Polizei, die einen blutgetränkten Sieg nach Hause trägt, noch für die Liebenden.

    Lars Becker, der nach seinem Spielfilm-Debüt "Schattenboxer" einen interessierten Anruf von dem Hollywood-Proudzenten Dino De Laurentiis bekam, hat sich mit "Bunte Hunde" einmal mehr daran versucht, das Genre des deutschen Kriminalfilms zu erneuern. Die klassische Ermittler-Perspektive hält er für längst überholt. Und so stehen in "Bunte Hunde" auch nicht die Polizisten, sondern die Täter im Mittelpunkt, sie treiben die Geschichte voran, sie sind es, mit denen sich der Zuschauer identifiziert. Daß ausgerechnet der unberechenbare Pepe überlebt, ist dabei absichtsvolle Ironie des Films. Nicht die coolen Alleskönner, die ansonsten die Gewinner sind, sondern der kleine Verräter rettet seine Haut, und erlebt am Schluß eine geringfügige Wandlung. Damit ist Becker, wie schon in "Schattenboxer", dem französischen "film noir" näher als dem durchschnittlichen deutschen Kinokrimi.

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