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  • Kritik: Lange verschollenes Stück des 19-Jährigen:

    Rainer Werner Fassbinder scheint im Kino schon fast vergessen. Jetzt setzt ausgerechnet ein Franzose dem genialen deutschen Filmemacher posthum ein Denkmal. Der junge Pariser Kultregisseur Francois Ozon erzählt in der Verfilmung von Fassbinders Theaterstück "Tropfen auf heiße Steine" eine bizarre Vierecksgeschichte - perfekt als Kammerspiel inszeniert, kühl und aufregend zugleich.

    Im Mittelpunkt steht ein schwules Paar. Dennoch spielt die Homosexualität keine Rolle. "Das ist eine Beziehung, wie es sie auch zwischen Mann und Frau geben könnte und gibt", sagt Ozon. "Es geht um ein universelles Problem, um die Schwierigkeit, zu zweit zu leben."

    So fühlen sich der 19 Jahre alte Träumer Franz (Malik Zidi) und der 50-jährige Geschäftsmann Leopold (Bernard Giraudeau) zunächst auf unerklärliche Weise verbunden. Aber schnell legt sich der Alltag mit einem dichten Geflecht aus Abhängigkeit, Machtspiel und stumpfer Routine über ihre eheähnliche Beziehung.

    "Eines Tages war alles, was ich getan habe, falsch", sagt Franz. Das Auftauchen der beiden Ex-Freundinnen (Ludivine Sagnier und Anna Thomson als Transsexuelle) macht das Drama schließlich perfekt: Jeder erlebt auf seine Weise den Traum von der unbedingten Liebe und ihrer absoluten Unmöglichkeit.

    Für den Zuschauer ist "Tropfen auf heiße Steine" vor allem eine Herausforderung an die Sehgewohnheiten. Der Regisseur hält mit unerbittlicher Konsequenz an seiner Stilisierungstechnik fest - vier Personen, ein Raum, ein Bild. "Ich wollte so künstlich wie möglich bleiben, um den wirklichen Kern hundertprozentig zeigen zu können", erklärt Ozon.

    Fassbinder hat das lange verschollene Stück mit 19 Jahren geschrieben. Erst nach seinem frühen Tod wurde es gefunden und 1985 in München uraufgeführt. "Ich konnte mich sofort mit jeder Figur identifizieren", sagt Ozon, der mit seinen risikoreichen Filmen über Mord und Selbstmord, Inzest und sexuelle Fixierung international Aufsehen erregt. "Ich mag Stoffe, die die Frage nach der Moral stellen."

    In Frankreich, wo Fassbinder in Intellektuellenkreisen nach wie vor einen großen Namen hat, ist der Film erfolgreich gelaufen. In Deutschland wurde er bei der diesjährigen Berlinale mit dem Teddy- Preis, der schwul-lesbischen Filmauszeichnung des Festivals, geehrt.

    Zu den schönsten Szenen gehört, wie der verzweifelte Liebhaber Franz mit einem warmen französischen Akzent Heinrich Heine zitiert: "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin...". Nach dem Film weiß man das ein bisschen besser.

    Von Nada Weigelt, dpa

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