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  • Kritik: Kultverdächtiger Film um Codex des Killers

    Wie macht er das nur? Seit fast 20 Jahren behauptet sich der New Yorker Regisseur Jim Jarmusch (46) mit Filmen wie "Down By Law" oder "Dead Man" als coole Kultfigur unter den unabhängigen Filmemachern der USA. Und auch sein neues Werk "Ghost Dog: Der Weg des Samurai" überrascht mit einer bizarren, melancholischen Geschichte, eigenwilligen Bildern, leiser Ironie und einem erstklassigen Hip-Hop-Soundtrack. "Trends interessieren mich nicht", meint der Regisseur zu seinem Erfolg. "Ich finde die schönsten Dinge immer in den Randgebieten."

    Und so ist auch "Ghost Dog" ein stilsicher und eigensinnig inszeniertes Außenseiterdrama. Vordergründig geht es um einen schwarzen Killer (Forest Whitaker), der unsichtbar und zuverlässig für eine Bande lächerlich unbedeutender Vorstadt-Mafiosi tötet. Als deren "Pate" nach einer Panne beschließt, den Killer selbst umlegen zu lassen, führt Ghost Dogs Weg schnurgerade zu einem blutigen Showdown.

    Daneben geht es aber auch um tödliche Regeln: um den nicht vereinbaren Ehren- und Moralkodex des Killers und seiner Auftraggeber. Denn Ghost Dog hat sein Leben vollkommen den Jahrtausende alten Weisheiten und Riten der japanischen Samurai unterworfen. Die Mafia-Gangster haben dagegen ihre ganz eigenen traditionellen Vorstellungen davon, was ein Mann zu tun hat, um seine Ehre zu verteidigen.

    "Ich ziehe meine Sachen immer rückwärts auf", erzählt Jarmusch im dpa-Interview. "Diesmal wollte ich eine Story für Forest Whitacker schreiben." Und der bullige schwarze Schauspieler mit dem traurigen Babyface zaubert aus seiner Rolle des einsamen Killers, der auf einer Dachterasse lebt und Tauben züchtet, etliche geschmeidige Kabinettstückchen. "Anders als bei den Mafiosi, deren Moralkodex heutzutage eher komisch wirkt, bleibt sein Code intakt", meint Jarmusch. Er interessiert sich schon lange privat für die Samurai- Kultur und verbeugt sich mit seinem neuen Film auch vor den Filmklassikern des japanischen Regiemeisters Akira Kurosawa.

    Musikalisch umklammert werden Samurai- und Mafia-Themen und viele andere Kulturmix-Elemente durch die dunkel groovende Musik des New Xorker Gangsta-Rap-Stars RZA. "RZA ist ein verrücktes Genie", sagt der Regisseur. "Sein Hip Hop webt die verschiedenen Stränge zusammen." Und so entsteht aus "Ghost Dog" ein atmosphärisch dichtes, kultverdächtiges Stück. Jarmuschs Credo lautet: "Gemischte Kulturen halten wunderbare Dinge für uns parat" - was er mit seinem Film überzeugend belegt.

    Karin Zintz, dpa

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