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  • Kritik: Kultbuch "Crazy" im Kino

    Im Mädchen-Duschraum des Internats passiert es das erste Mal. Marie verführt Benjamin, der von nichts anderem zuvor geträumt hat, aber nun nicht so recht weiß, wie ihm geschieht. "Es war schrecklich", sagt er später seinem Freund Janosch. "Doch es ist bisher das Beste gewesen, was ich erlebt habe."

    Die Geschichte des 16-jährigen Benjamin, eines halbseitig Gelähmten, und seiner pubertierenden Freunde ist als der autobiografisch inspirierte Roman "Crazy" von Benjamin Lebert zum Bestseller geworden. Nun kommt diese "Reifeprüfung" im Internat unter dem gleichen Titel in die Kinos.

    Benjamin (Robert Stadlober) ist ein Schulversager, ein Muttersöhnchen und ein Krüppel. Das Internat ist seine letzte Chance, doch noch die achte Klasse und vielleicht später das Abitur zu schaffen. Allerdings lernt er mit seinen fünf Freunden außerhalb des Unterrichts mehr für das Leben - vor allem mehr über Sex. Zur Clique gehört auch sein Zimmernachbar Janosch (Tom Schilling), ein cooler Draufgänger, der der Kindheit entkommen und so schnell wie möglich erwachsen werden will. Auch Benjamin hat dieses Verlangen, das von Janosch geweckt wird.

    Zusammen mit den anderen Freunden suchen sie nach Erfüllung ihrer Sehnsüchte und Träume, nach Erlösung von ihren erotischen Nöten. Wie Voyeure beobachten sie die Gymnastikstunde der Mädchen, besuchen ein Striptease-Lokal und feiern Partys. Sie reden und rauchen, trinken und lachen, suchen Gemeinsamkeit, um der Einsamkeit zu entfliehen, die zur Entdeckung des Erwachsenwerdens gehört. Und sie suchen die Liebe - was zum Problem werden kann, wenn zwei in das gleiche Mädchen verliebt sind. So ergeht es Benjamin und Janosch, die sich in die hübsche Malen (Oona Devi Liebich) verknallt haben.

    Die Geschichte vom Erwachsenwerden erzählt der Regisseur Hans- Christian Schmid, der sich mit "Nach fünf im Urwald" und vor allem mit seinem preisgekrönten Film "23" über einen Computer-Hacker einen Namen gemacht hat, einfühlsam, zugleich aber auch mit einer Portion Ironie und Melancholie. "Ich mochte die Stimmung des Romans", erklärt der 35-jährige Regisseur. Am Ende der Dreharbeiten zu "23" hatte er "Crazy" in die Hand bekommen und das erfolgreiche Münchner Produzenten-Team Jacob Claussen und Thomas Wöbke dafür begeistert. Nach einem Treffen mit Lebert schrieb er schließlich zusammen mit Michael Gutmann das Drehbuch.

    "'23' war ein Konstrukt, da gab es nicht viel Spielraum. Jetzt wollte ich mal etwas Leichtes machen", bekennt Schmid. Für Robert Stadlober, der in einer Reihe von TV-Serien wie "Polizeiruf 110" oder "Tatort" zu sehen war, war die Rolle des behinderten Benjamin die bislang größte Herausforderung, zumal der extrovertierte Berliner einen introvertierten Außenseiter spielen musste. "Am Anfang war es sehr schwierig. Vielleicht habe ich die Behinderung an ein paar Stellen übertrieben", erzählt er.

    Dass ihm die schauspielerische Gratwanderung dennoch gelungen ist, bescheinigt ihm zumindest Benjamin Lebert persönlich: "Ich war richtig stolz auf ihn." Ganz einfach sei es für den Jungautor jedoch nicht gewesen, weckte der Leinwand-Benjamin doch zwiespältige Gefühle in ihm. "Ich bin froh, dass da etwas festgehalten worden ist", sagt Lebert. Doch andererseits hatte er die Empfindung: "Wie hart! Es war wie ein Spiegel, der nur die schwachen Seiten von mir zeigt."

    Andreas Schirmer, dpa

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