40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Kongeniale Bestseller-Verfilmung:
  • Kritik: Kongeniale Bestseller-Verfilmung:

    Der Roman "Schnee, der auf Zedern fällt" hat den Stoff, der Filmproduzenten sofort begeistert.

    Das von dem Kriegskonflikt der Amerikaner und Japaner beeinflusste Drama um eine junge, zum Scheitern verurteilte Liebe und zwei Männer, die von Freunden zu Feinden werden, ist bereits wie ein Film aufgebaut. Der australische Regisseur Scott Hicks hat es originalgetreu in eindringliche poetische Bilder umgesetzt, die den melancholischen Ton der Vorlage von David Guterson genau treffen.

    Erinnert wird daran, dass nach dem japanischen Überraschungsangriff auf die US-Kriegsflotte in Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 rund 110.000 japanische Einwanderer zu Staatsfeinden erklärt und drei Jahre in Internierungslagern gefangengehalten wurden, darunter 75.000, die Staatsbürger der USA waren.

    Die Geschichte von "Schnee, der auf Zedern fällt" beginnt Jahre später vor der fiktiven Insel San Piedro an der nordamerikanischen Pazifikküste: 1954 findet man den Fischer Carl Heine tot im Netz seines Bootes. War es ein Unfall oder Mord? Es gibt keine Zeugen, aber Indizien, die auf den Lachsfischer Kabuo Miyamoto als Täter weisen. Der hätte auch ein Motiv: Rachsucht.

    Vor Gericht kann er trotz der Bemühungen seines Anwalts kaum mit einem fairen Prozess rechnen. In ihrer Not bittet Miyamotos Frau Hatsue den jungen Reporter Ishmael Chambers um Hilfe. Die Aufklärung des Todesfalls zwingt Chambers - im Buch ist er der Erzähler - zur Auseinandersetzung mit seiner eigenen Vergangenheit. Denn Hatsue war seine große Jugendliebe; damals mussten die beiden ihre Zuneigung vor ihren Familien geheimhalten. Ihr Liebesnest war eine Wurzelhöhle unter einer gigantischen Zeder.

    Rückblenden zeigen neben diesen paradiesischen Szenen aber auch, dass das gute nachbarschaftliche Zusammenleben in der Vorkriegszeit eine brüchige Fassade war. Nachdem diese ihre Häuser verlassen mussten, nutzten einige Inselbewohner die Gunst der Stunde, um sich an ihrem Eigentum zu bereichern.

    Dies und die neun Jahre nach Pearl Harbour lebendigen Vorurteile der alteingesessenen Amerikaner gegen ihre japanischen Nachbarn wird im Film nur kurz und prägnant skizziert. Im Fokus der Kamera bleiben die Menschen und ihre Gefühlswelt, die in perfekt komponierte Einstellungen und ausdrucksstarke Großaufnahmen übersetzt ist. So sieht man mit den Augen Ishmael Chambers einmal nichts anderes als den leuchtend rot geschminkten Mund von Hatsue oder ein frisches Zedernblatt, von dem ein Wassertropfen fällt.

    Die Musik von James Newton Howard, der neben der japanischen Flöte auch Glocken, Gong und Windspiele einsetzte, verstärkt den meditativen Zauber dieses schönen, bewegenden Films. Die Atmosphäre der abgeschlossenen Welt des eingeschneiten Fischerdorfs ist unmittelbar spürbar.

    Auch bei der Darstellung der Figuren sprechen Bilder mehr als Worte: die stummen Blicke von Ishmael (Ethan Hawke), die zugleich Empfindsamkeit und Stärke ausstrahlende Hatsue (Youki Kudoh, bekannt aus "Mystery Train") oder der knorrige weise Charme des Anwalts (Max von Sydow).

    Regisseur Scott Hicks beweist nach seinem triumphalen Erfolg mit "Shine", der wahren Geschichte des psychisch kranken Pianisten David Helfgott, erneut, dass er ein Bilderkünstler von großem Format ist. "Schnee, der auf Zedern fällt" kommt ab 23. März in die Kinos.

    Inge Treichel, AP

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Donnerstag

    -1°C - 5°C
    Freitag

    2°C - 6°C
    Samstag

    4°C - 8°C
    Sonntag

    4°C - 8°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!