40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Komplizierte Liebesreisen
  • Kritik: Komplizierte Liebesreisen

    Hamburg (dpa). Für schnelle Affären hat der Mann nichts übrig. Beschwerlich muß er sein, der Weg zum Glück - oder zum Verhängnis. Durch diese Vorliebe hat der Regisseur Jean-Paul Rappeneau früh die französische Literatur als Inspirationsquelle entdeckt und mit "Cyrano von Bergerac" vor sechs Jahren einen großen Kinoerfolg, zehn Cesars und fünf Oscar-Nominierungen eingefahren. Jetzt bringt er mit "Der Husar auf dem Dach" von Jean Giono, dem "Dichter der Provence" (1895-1970), zum zweiten Mal einen Liebesklassiker aus seinem Heimatland Frankreich auf die Leinwand. Am 18. Januar kommt die üppig inszenierte Liebesgeschichte in die deutschen Kinos.

    Rappeneau hat den Giono-Roman aus dem Jahr 1951, der ebenso wie Edmond Rostands "Cyrano" lange Zeit als für die Leinwand ungeeignet galt, schon vor vierzig Jahren "begeistert verschlungen". Mehrere Regisseure gaben das Projekt wieder auf - für Rappeneau ein zusätzlicher Reiz. "Ich glaube, ich habe ein Faible für unverfilmbare Stoffe", sagte der Filmemacher im dpa-Gespräch. Opulent ist das neuerliche Kostümwerk, und vieles deutet darauf hin, daß die stille Liebe zwischen dem schönen italienischen Husarenoberst Angelo (Olivier Martinez) und der Marquise von Theus (Juliette Binoche) den Erfolg des häßlichen und unglücklich liebenden Cyrano mit Gerard Depardieu in der Hauptrolle wiederholt. In Frankreich haben den "Husar" mehr als 600 000 Kinobesucher gesehen.

    Die von Zufällen herbeigeführte gemeinsame Reise Angelos und der Marquise durch eine herrliche südfranzösische Landschaft, in der sich aber gerade eine Cholera-Epidemie ausbreitet, ist mit 50 Millionen Mark die teuerste Produktion, die jemals in Frankreich realisiert worden ist. Werden dem Regisseur bei solch einer Summe nicht mal die Knie weich? "Der Cyrano war nur deshalb nicht so teuer, weil wir die Hälfte in Ungarn gedreht haben, das damals noch ein billiges Land war", hält Rappeneau dagegen. Aber der Aufwand verursache natürlich einen beachtlichen Druck. Andererseits sei er von seinen beiden Hauptdarstellern Juliette Binoche und dem bis dato unbekannten Olivier Martinez so überzeugt gewesen, daß er sich über den Erfolg des Films keine Gedanken gemacht habe.

    Mehr als sechs Jahre sind seit den Dreharbeiten zum "Cyrano" vergangen. Rappeneau hat die meiste Zeit davon auf der Suche verbracht: "Ich nehme ein Buch, verwerfe es wieder, nehme das nächste - es ist, wie wenn man am Bahnsteig steht und auf den richtigen Zug wartet. Irgendwann springt man dann auf". Außerdem "bin ich ein Perfektionist, der manisch auf Details achtet". Rappeneau stellt sich bewußt in die Tradition des europäischen Erzählkinos, doch die Arbeit sei auch deshalb oft so langwierig, weil die Struktur der europäischen Filmbranche im Gegensatz zur amerikanischen Filmindustrie kunsthandwerklich sei. "Man kann sie mit einer Pyramide vergleichen, die auf der Spitze steht: Der Mann, der den Film macht, trägt die ganze Last."

    "Der Husar auf dem Dach" ist erst die sechste Regiearbeit des 63jährigen. Erfolg hatte Rappeneau aber schon um 1960 als Drehbuchautor für Yves Robert ("Signe Arsene Lupin") und Louis Malle ("Zarie in der Metro", "Privatleben"). 1966 drehte er den ersten eigenen Film "Leben im Schloß", 1971 "Musketiere mit Hieb und Stich", 1975 "Die schönen Wilden" und 1982 "Feuer und Flamme", bevor ihm "Cyrano von Bergerac" den großen Durchbruch an die Spitze der europäischen Filmemacher verschaffte.

    Von Alexander Hosch, dpa

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    -5°C - 4°C
    Montag

    -2°C - 4°C
    Dienstag

    0°C - 4°C
    Mittwoch

    3°C - 6°C
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!