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  • Kritik: Komödie "Romy und Michele"

    Frankfurt/M (AP) Die Filmheldinnen Romy und Michele sind zwei Mädchen wie aus den Blondinenwitzen: naiv, auf ihr Aussehen fixiert und nicht gerade scharfsinnig. Die eine ist arbeitslos, die andere arbeitet als Kassiererin in einem Autohaus. Erst als ihr Zehn-Jahres-Klassentreffen bevorsteht, packt sie der Ehrgeiz. In der Schule galten sie wegen ihrer schrillen Klamotten als Außenseiterinnen. Jetzt wollen sie den hochnäsigen Highschool-Zicken nicht wieder eine Chance geben, sie zu verspotten.

    Die Freundinnen beschließen, sich beim Klassentreffen als erfolgreiche Geschäftsfrauen auszugeben. Dazu, so meinen sie zunächst, genügt ein Business-Kostüm und ein geliehenes Luxus-Cabrio. Erst auf der Fahrt zur heimatlichen Provinzstadt fällt ihnen ein, daß sie für Fragen nach ihrem Berufsleben gerüstet sein müssen. Romy verfällt auf die Idee, sie sollten sich als Erfinderinnen der gelben Klebezettel Post-it präsentieren.

    Die nächste Frage, wer was dabei gemacht hat, kann nicht mehr geklärt werden. Denn die Blondinnen können sich schon nicht über die Frage einigen, wer von beiden die Schlauere und die Schönere ist. Am Ende sind sie aufeinander sauer und tauchen getrennt auf der Party auf.

    Derart unzureichend vorbereitet, kann die Blamage nicht ausbleiben. Die Komödie "Romy und Michele", die am nächsten Donnerstag in Deutschland startet, führt ihre Heldinnen auf ein rutschiges Parkett und läßt sie dabei tatsächlich zuweilen ziemlich dumm aussehen.

    Wieder triumphiert vor allem die spießige Christie, die wie ihre Freundinnen hochschwanger zum Klassentreffen erschienen ist. Die Niederlage schweißt Romy und Michele wieder zusammen, und sie geben sich nicht geschlagen. Im gewohnten Outfit - wie Plastikfrüchte glänzende Minikleider - stürzen sie sich in die Party. Dann fängt für sie der Spaß an, und das Blatt wendet sich.

    Der Film hat mit seinen Heldinnen etwas Wesentliches gemeinsam: Die Anfangsidee ist gut, aber an der Ausführung hapert es. Zu Lachen gibt es nicht sehr viel. Manche Gags verpuffen, zum Beispiel, wenn Romy und Michele erstmals ihre Wirkung als Geschäftsfrauen in einem Fast-Food-Restaurant erproben und schon bei der Frage der Bedienung, in welcher Branche sie arbeiteten, völlig aus dem Konzept kommen. Mangelnde Schlagfertigkeit an sich ist ja noch nicht komisch. Es sei denn, man übertreibt sie so stark wie in den Blondinenwitzen.

    Daß Romy und Michele mit ihrem Aussehen frustrierte Singles sein sollen und sich mit ihren makellos schlanken Figuren Süßigkeiten-Orgien vor dem Fernseher hingeben, ist kaum zu glauben. Nach der Idee der Autorin sind Romy und Michele "normal aussehende Mädchen", "die wirklich glauben, heiße Disco-Mäuse zu sein". Die Schauspielerinnen Mira Sorvino und Lisa Kudrow sehen dafür einfach zu gut aus. Lisa Kudrow hatte schon im Bühnenstück "Ladies' Room" Michele gespielt, die darin allerdings als Nebenrolle angelegt ist. Im Fernsehen kam die Schauspielerin mit der Serie "Friends" groß heraus. Mira Sorvino ist bereits ein Star; sie bekam 1995 den Oscar als Beste Nebendarstellerin in Woody Allens "Geliebte Aphrodite".

    Die Verleihfirma Buena Vista International beschreibt den Film als "bissig-schrille Satire auf Normen, Moden und Erwartungen der 90er - und wie man diese auf möglichst perfide Weise unterläuft". Für die wenigen Pointen, die in der harmlosen Geschichte wirklich zünden, ist dieses Etikett eine ziemlich unverfrorene Hochstapelei. Gelungen ist Regisseur David Mirkin, der bisher nur für das Fernsehen gearbeitet hatte, die ironische Grundstimmung, die vor den Titelheldinnen nicht halt macht. Die amerikanischen Erfolgsmaßstäbe werden sanft belächelt, aber nicht wirklich in Frage gestellt.

    Wirklich herausragend ist Janeane Garofalo als Heather, die auf der Highschool wirklich Außenseiterin war und sich zur scharfzüngigen, sehr erfolgreichen Geschäftsfrau gewandelt hat: Sie raucht Kette, läßt zynische Sprüche los und flucht.

    Von AP-Korrespondentin Inge Treichel

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