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  • Kritik: Komödie nach Oscar Wilde

    Oscar Wildes Komödien geben auf den ersten Blick dankbare Vorlagen für jeden Drehbuchautor ab. Liebenswürdige Exzentriker mit schrulligen Vorlieben bombardieren sich pausenlos mit geschliffenen Bonmots und brillant formulierten Bosheiten. Aber ein funkelndes Salonstück ist noch lange kein Garant für eine gelungene Kinokomödie.

    Der geniale Oscar Wilde (1854-1900), der die Paradoxa liebte, hat die Abgründe seiner Figuren an der Oberfläche versteckt. Davon spürt man in Mike Barkers glänzend besetzter, aber zu gefälliger Adaption des Gesellschaftsdramas «Lady Wintermeres Fächer» viel zu wenig.

    «Es gibt keine moralischen oder unmoralischen Menschen. Es gibt nur langweilige oder charmante», gibt der frivole Lord Darlington in einer Szene zu Protokoll. Auf «Good Woman - Ein Sommer in Amalfi» trifft dieses Diktum leider nicht zu. Die aus dem spätviktorianischen London an die sonnige italienische Küste versetzte Komödie kommt über weite Strecken sehr charmant daher, dazwischen stellt sich im plüschigen Ambiente der Upper Class aber immer wieder Langeweile ein. Der Film plätschert halt so dahin. Nett anzusehen, witzig, aber selten wirklich pointiert oder böse. Eine in schöne Worte verpackte Belanglosigkeit. So etwas kann ja durchaus auch seinen Reiz haben.

    Fast durchweg starke Vorstellung

    Die Schauspieler jedenfalls geben fast durchweg eine starke Vorstellung ab. Helen Hunt gibt die skrupellose, schon etwas in die Jahre gekommene Lebedame Mrs. Erlynne, die auf der Flucht vor vielen unbezahlten Rechnungen am Golf von Neapel strandet. Eine mit allen Wassern gewaschene Femme fatale, die sich endlich einen Millionär angeln will, was ihr am Ende auch gelingt.

    Gegen dieses fintenreiche Vollweib hat die schüchterne, gerade 21- jährige, frisch verheiratete Meg Wintermere (Scarlett Johansson, «Lost in Translation») natürlich nicht den Hauch einer Chance. Die naive Kleine, die so wunderschön ihre vollen Lippen zum Schmollmund formen kann, ist höllisch eifersüchtig auf Mrs. Erlynne, obwohl ihr Ehemann Robert Wintermere (eher blass: Mark Umbers) hoch und heilig versichert, keine Affäre mit dem Vamp zu haben. Zudem muss sich die arme Mrs. Wintermere pausenlos gegen die eindeutigen Avancen des Playboys Lord Darlington (Stephen Campbell Moore) erwehren.

    Wunderbar ironisch

    Am Ende löst sich das Beziehungspuzzle ganz anders auf als erwartet, die schlüpfrige Konversationskomödie bekommt einen melodramatischen Anstrich. Aber da sitzen Mrs. Erlynne und der süße, stinkreiche Brummbär Lord Augustus (wunderbar ironisch: Tom Wilkinson) schon im Flugzeug und schweben in den siebten Ehehimmel.

    dpa

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