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  • Kritik: Kometenspektakel wurde fast selbst zum Desaster

    Wer im Fremdwörterlexikon oder gar im Brockhaus den Begriff "Armageddon" sucht, wird Probleme bekommen, den keines der Nachschlagewerke hat ihn aufgenommen. Das Presseheft des jüngsten Action-Films mit Bruce Willis ist da schon konkreter. Es beginnt mit einem Bibelzitat und setzt "Armageddon" mit "Donner und großen Erdbeben" gleich. Beides kommt in dem Katastrophenspektakel nicht vor. Stattdessen rast ein riesiger Asteroid auf die Erde zu und deckt gleich zu Anfang ganze Städte mit einem Gesteinshagel ein.

    Das drohende "jüngste Gericht" hat in "Armageddon" keine moralische Dimension. Es bietet über zwei donnernde Stunden lang Anlaß für Spezialeffekte der Superlative, zwischen denen Willis und seine Star-Kollegen, flankiert von der schönen Liv Tyler, mit coolen Sprüchen und heldenhaften Taten versuchen, die Welt zu retten.

    Es ist diese Mischung aus Fakten, Fiktion und Heldentum, die die Filme des US-Produzenten Jerry Bruckheimer auszeichnen. In "The Rock" war es die Besetzung von Alcatraz durch eine kleine Kommandoeinheit, die mit Gift gefüllte Raketen gegen San Francisco richtet. In "Con Air" war es die Beförderung Schwergefangener in einem fliegenden Hochsicherheitsgefängnis. Bruckheimer produzierte Kassenschlager wie "Flashdance", "Beverly Hills Cop" oder "Top Gun": Das machte ihn und seinen 1996 gestorbenen Partner Don Simpson zum erfolgsreichsten Produzenten-Duo der 80er Jahre. Dem Disney-Studio entlockte er bis zu 140 Millionen Dollar für "Armageddon", was den Film zur teuersten Produktion der erfolgreichen Disney-Geschichte macht.

    Doch als man im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes einen 50- minütigen Zusammenschnitt der noch nicht fertigen Produktion zeigte, sanken die Oberen in sich zusammen. Das Fachpublikum amüsierte sich köstlich angesichts einiger unfreiwillig komischer, allzu pathetischer Szenen. Bruce Willis merkte angesichts der kritischen Lage selbstironisch an: "Wie schön, daß Sie auch die lustigen Aspekte des Drehbuchs entdeckt haben."

    Bruckheimer und Regisseur Michael Bay, der auch schon "The Rock" inszenierte, spielten das Beinahe-Desaster herunter. Doch auch die unübersehbaren Parallelen zu der äußerst erfolgreichen Kometen- Katastrophe "Deep Impact" sind den Machern wohl bewußt und sorgen für Krisenstimmung - zumal "Deep Impact" inzwischen in den USA rund 150 Millionen Dollar eingespielt hat. "Es ist eben ein kreatives Medium und das heißt Showbusiness - eben ein Geschäft", anwortet Bruckheimer bezogen auf die Konkurrenz. "Wenn man als Profi anerkannt werden will, muß man sich Zwängen unterwerfen, und das heißt besser und größer sein als die anderen."

    Besser als alle anderen ist auf jeden Fall Bruce Willis in seiner Rolle als Harry Stamper. Er ist der Chef eines hochspezialisierten Ölbohrtrupps, der von der US-Regierung gerufen wird, um nach einer kurzen Astronauten-Schulung dem Kometen entgegenzufliegen, ein tiefes Loch in den rasenden Himmelskörper zu bohren und ihn zu sprengen. "Ich habe schon oft die Welt im Film gerettet. Und das wird immer leichter", kommentierte Willis seinen Part.

    In den USA liegt "Armageddon" mit einem Einspielergebnis von knapp 60 Millionen Dollar nach einer Woche ganz gut im Rennen, aber der Wettbewerb der großen Sommer-Action-Filme wie "Lethal Weapon 4" und "Mit Schirm, Charme und Melone" beginnt gerade erst. Bruckheimer hat sich schon überlegt, was er macht, wenn tatsächlich der Weltuntergang unmittelbar bevorsteht: "Eine gute Flasche Wein und abwarten." Bruce Willis würde da schon heftiger reagieren: "Nicht, daß ich für den Konsum von Drogen werben will, aber ich würde wohl etwas Heroin besorgen und 'gute Nacht' sagen."

    Siegfried Tesche, dpa

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