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  • Kritik: Knalliger Spaß für kleine Anarchisten

    Mit einem Kinderfilm einen Skandal zu provozieren - da gehört schon einiges zu. Starkomiker Mike Myers ist es mit «Ein Kater macht Theater» in den USA gelungen.

    Was einem deutschen Zuschauer als freches, aber letztlich harmloses Märchen erscheinen wird, verteufelten US-Kritiker nahezu einstimmig als Anschlag auf ein nationales Heiligtum. Schließlich ist das Gedicht vom Kater im Hut (Cat in The Hat, auch Originaltitel des Films) das allererste Buch für Generationen von Amerikanern seit fast 50 Jahren.

    Myers glänzt mit exzentrischem Humor

    Der Kern der Geschichte ist unverändert geblieben: Zwei Kinder, Bruder und Schwester, langweilen sich, weil sie an einem verregneten Tag allein zu Hause auf ihre Mutter warten müssen. Plötzlich taucht ein magischer Kater mit einem rot-weiß gestreiften Hut auf, der allerlei Unfug treibt, verheerendes Chaos stiftet und schließlich die Erkenntnis beschert, dass man beim Spaß haben auch Rücksicht auf den Rest der Welt nehmen sollte. Die pädagogische Botschaft ist im Film noch prägnanter, nur eben dass der Kater noch frecher geworden ist, sich am Telefon mit «Leichenschauhaus» meldet, ein Porträt der Mutter wie ein «Playboy»-Poster ausklappt oder auf der schlafenden dicken Babysitterin eine gewaltige Wasserrutsche hinabfährt.

    Mike Myers blieb sich auch unter der Katzenmaske treu und glänzt mit exzentrischem Humor. Wohl bewusst hat der Kater mitunter Ähnlichkeit mit Myers' bekanntestem Helden, dem Schmuddel-Spion Austin Powers, ebenso wie mit Jim Carrey, der in einer anderen Verfilmung eines Werks des Kinderbuchautors Dr. Seuss als grüner Unhold Grinch alle Weihnachtsgeschenke klaute. Myers selbst behauptet allerdings, Vorbild für seinen Kater sei der Vater von Gwyneth Paltrow, der Regisseur Bruce Paltrow gewesen. Die Katerrolle war für Myers auch eine körperliche Herausforderung. Damit er die Hitze bei den Dreharbeiten aushalten konnte, wurde in Drehpausen kalte Luft aus einer mobilen Klimaanlage unter das dicke Fellkostüm gepumpt.

    Story wurde kräftig aufgepeppt

    Während «Grinch» trotz Carreys böser Streiche letztlich doch recht brav ausfiel, kennt Myers' Kater keine Tabus. «Der Kater ist ein Anarchist», sagt Regisseur Bo Welch. Zugleich beherrsche er die Balance zwischen Chaos und Ordnung. Regie-Debütant Welch erschuf bereits als Bühnenbildner fantastische Welten für Filme wie «Men in Black», «Beetlejuice» oder «Edward mit den Scherenhänden». Für seinen ersten eigenen Film entwarf er eine Knallbonbon-bunte Welt, deren grelle Farben mitunter fast schon wehtun. «Er ist Tim Burton und Stanley Kubrick in einer Person», schwärmt Myers.

    Um aus dem nur 1600 Worte starken Klassiker des Autors Dr. Seuss einen abendfüllenden Film zu machen, wurde die Story massiv aufgepeppt. Alec Baldwin kam als schleimiger Nachbar hinzu, der sich an die Mutter heranmachen will. Die von John Travoltas Ehefrau Kelly Preston gespielte Mutter wurde zur Immobilienmaklerin mit wankendem Job. Erfunden wurden auch die taiwanesische Babysitterin, und vor allem ein Unmenge Gags. «Hätte Dr. Seuss das Buch heute geschrieben, wäre es vermutlich auch so geworden», zeigt sich Produzent Brian Grazer überzeugt.

    Teilweise Empörung in den USA

    Die US-Kritiker sahen es nicht so, auch wenn ihr Entsetzen letztlich mehr über das prüde und politisch korrekte Amerika als über den Film selbst aussagt. Christliche Kinderschutzgruppen analysierten die vielen Verstöße gegen biblische Regeln und empörten sich über eine Szene, in der sich der Kater Früchte als Busen umhängt. Andere Kritiker warnten, die asiatische Herkunft der gepeinigten Babysitterin könne als Rassismus aufgefasst werden.

    Das Publikum ließ sich von den Kritikern jedoch nicht abschrecken. Die Produktionskosten von gut 100 Millionen Dollar (rund 82,5 Millionen Euro), die vor allem wegen der vielen Spezialeffekte anfielen, wurden allein in den USA wieder eingespielt. Und Produzent Grazer, der unter anderem so verschiedene Filme wie «Der verrückte Professor», «8 Mile», oder «Ein unmöglicher Härtefall» ins Leben rief, hat noch die Chance zur Revanche: Er hält auch die Rechte an der Fortsetzung des Kinderbuchs.

    dpa

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