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  • Kritik: Knallbunte OpernAdaption

    Mit «U-Carmen» kommt die bestimmt 140. Leinwand- Adaption der berühmten Bizet-Oper in die Kinos. Obwohl schon derart oft verfilmt, ist eine echte Überraschung zu erleben. Der Gewinner des Goldenen Bären der Berlinale 2005 bietet Opern- und Kinofans gleichermaßen Hochgenuss.

    Regisseur Mark Dornford-May hat das Eifersuchtsdrama mit Mitgliedern der Theatergruppe Dimpho Di Kopane in das südafrikanische Township Khayelitsha nahe Kapstadt verlegt. Erstmals wird in einem Film in Xhosa, eine der elf offiziellen Landessprachen, gespielt und gesungen. Die Klicks und Klacker dieser Sprache machen Kastagnetten geradezu überflüssig. Entscheidend: die filmische Adaption. Sie ist überaus gelungen. Schon allein der gewagte Versuch, die an sich doch recht altmodische Story ins Heute zu übertragen, gelingt mit Bravour. Lust und Ironie überspielen jeden nur denkbaren Anflug von Gestrigkeit.

    Die Handlung bleibt in bekannten Bahnen: Carmen, Arbeiterin in einer Zigarettenfabrik, verdreht Polizist Jongikhaya (bei Bizet Don José) den Kopf, was sie, weil längst mit Star-Tenor Lulamile (im Original Torero Escamillo) verbandelt, letztlich zu Fall bringt. Es wird geliebt und gemordet, gezockt und gedealt. Alles wie gehabt - und doch ganz anders. Denn die soziale Realität Südafrikas gibt den Ereignissen natürlich eine ganz eigene Dramatik.

    Die Akteure können, was auf Opernbühnen ja eher die Ausnahme ist, singen, tanzen und spielen. Jede Szene ist perfekt choreografiert, wird vom Funken der Musik getragen, der sich ohne die Leidenschaft und das Können des Ensembles aber kaum entfalten könnte. Die Titelrolle verkörpert Pauline Malefane, die gleichermaßen mit Körperfülle und erotischem Gewicht beeindruckt. Die Frau ist ein wandelnder Vulkan. Ihren überbordenden Reizen kann sich wohl niemand entziehen.

    Die entscheidenden Stichworte für diese Opern-Verfilmung: prall, sinnlich, knallbunt. Der Film beginnt mit Luftaufnahmen von Khayelitsha. Das hat nichts von der Anmut eines gleitenden Vogelflugs. Schon hier wird in rasanter Bildfolge die Dramatik des Geschehens illustriert. Die dann folgende, geradezu irrwitzige Raserei durch die Straßen des Townships macht es einem als Zuschauer endgültig unmöglich, sich zu entziehen. Man fiebert, bangt und leidet im Folgenden unentrinnbar mit.

    Nur einmal gibt es ein Innehalten: Lulamile kehrt nach vielen Jahren erstmals wieder nach Hause zurück. Erinnerungen stellen sich ein und werden von der Regie auf verblüffende Weise gestaltet. Bizets zentrales Motiv - die Vergänglichkeit allen Glücks im Banne der ewigen Hatz nach neuen Reizen - wird in dieser Sequenz auf eine Art und Weise gestaltet, die in einem Theater nie möglich wäre. Hier schafft das Kino der Oper tatsächlich eine neue Welt.

    dpa

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