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  • Kritik: Kleines Kinowunder made in Germany

    Kino nicht als Mittel purer Unterhaltung

    "Halbe Treppe" spielt in Frankfurt/Oder und schildert den Alltag zweier Ehepaare zwischen beruflicher Anspannung und der nicht minder anstrengenden Suche nach einem Hauch von Glück. Der Filmtitel ist eindeutig doppeldeutig: "Halbe Treppe" spielt einerseits auf jenen Imbissstand an, den einer der Protagonisten tatsächlich auf dem Absatz einer Treppe betreibt, und meint andererseits jenen Moment, irgendwo zwischen 30 und 50, da ein kurzes Nachdenken über das, was war, und über das, was noch kommen könnte, plötzlich das Leben auf den Kopf stellen kann.

    Voller Zärtlichkeit und mit kritischem Augenzwinkern in improvisierten Szenenfolgen entwickeln die Hauptdarsteller Steffi Kühnert, Gabriela Maria Schmeide, Thorsten Merten und Axel Prahl verkörpert eine fesselnde Intensität und Wahrhaftigkeit. Wohl fast jeder Zuschauer dürfte sich in einem der vielschichtig gezeichneten Charaktere wiedererkennen können. Die Kritiker belohnten dies unter anderem mit dem Großen Jury-Preis der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele Berlin und dem Deutschen Filmpreis 2002 in Silber in der Kategorie "Bester Film".

    Mit einem kleinen Drehstab und handlicher digitaler Technik realisiert, dominieren Bilder voller schwermütiger, aber nie kitschig anmutender Melancholie. Die von Kameramann Michael Hammon oft wie impressionistische Gemälde arrangierten Sequenzen weisen dabei stets über das Private hinaus und fangen - mitunter verhalten, häufig satirisch - Momentaufnahmen der heutigen Alltagskultur in Deutschland ein. Unterstützt wird dieses Gefühl von der Musik der Gruppe "17 Hippies", die die Handlung pointiert begleitet.

    Die damit erreichte vollkommen selbstverständlich wirkende Weltläufigkeit hebt "Halbe Treppe" weit über den Durchschnitt der heimischen Zelluloid-Produktion hinaus und macht den Film zu einem kleinen Kinowunder made in Germany. Als direktes Abbild des Zustands der deutschen Gegenwart will Andreas Dresen seinen Film aber nicht missverstanden wissen. "Ich möchte nicht zu hoch greifen. Der Film schildert Lebenssituationen, wie es sie im Osten und im Westen Deutschlands gibt. Aber er zeigt nur Ausschnitte. Natürlich wird jeder Zuschauer mit seinen persönlichen Erfahrungen entscheiden, inwiefern er das auf größere gesellschaftliche Zusammenhänge bezieht", sagt er.

    Wichtig ist Dresen vor allem, Kino nicht allein als Mittel purer, der Wirklichkeit entrückter Unterhaltung zu nutzen. "Ich möchte, dass die Menschen, die fern von Schick und Wohlstand leben, nicht vergessen werden", sagt er dazu. "Der Glücksanspruch der so genannten kleinen Leute ist genauso groß wie der aller anderen. Und ihre Geschichten eignen sich wunderbar dazu, als Zuschauer auch ein bisschen das eigene Leben unter die Lupe zu nehmen." Diesem Anspruch wird "Halbe Treppe" mit Charme und wohltuender menschlicher Wärme gerecht.

    Peter Claus, dpa

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