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  • Kritik: Kleiner Hobbit in großem Kinoland

    Mit zwei Fingern auf der Schreibmaschine schrieb der englische Literaturprofessor John Ronals Reuel Tolkien einst seinen Fantasy- Klassiker "Der Herr der Ringe". Viele Jahre dauerte es, bis 1954/55 sein Epos als eines jener Bücher erschien, das von da an Generationen von Lesern in fantastische Welten führte, die wohl noch lange locken werden.

    Nun hat der neuseeländische Filmemacher Peter Jackson mit dem bislang größten Etat der Filmgeschichte, fast 600 Millionen Mark, aus Tolkiens Schöpfung einen monumentalen, oft grandiosen Film gedreht.

    Dessen erster, fast dreistündiger Teil mit dem Titel "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" kommt am 19. Dezember in die Kinos, die beiden anderen Teile werden jeweils zur Weihnachtszeit 2002 und 2003 folgen. Tolkien, ein konservativer Brite von umfassender Bildung, soll Hollywood verabscheut haben. Aber der bereits 1973 verstorbene Autor dürfte im Jenseits wenig Anlass zum Gram über die filmische Version seiner Saga von den Hobbits, den Gimlis, den Elben und den Orks haben. Denn dem dicklichen Vollbart Jackson und seinem riesigen Team ist es erstaunlich stilsicher gelungen, die Traumwelten des Buches ins Bild zu setzen.

    Eng an die Vorlage gehalten

    Dafür war der riesige Etat ganz sicher ebenso vonnöten wie die vielmonatige Drehzeit in der neuseeländischen Heimat des Regisseurs, der mit zwei anderen Schreibern auch das Drehbuch verfasste. Entscheidend allerdings für das beglückende Gelingen des an Superlativen nicht armen Projekts waren aber nicht Geld, Zeit und Spezialeffekte. Den Ausschlag gibt das Vermögen der Filmemacher, Inhalt und Geist des 1.300-seitigen Buches in eine überzeugende Form zu bringen. Wenn Jackson sagt: "Ich glaube, Tolkien wäre mit unserer Arbeit zufrieden", so dürfte er das mit guten Gründen annehmen.

    Jackson hat sich eng an die Vorlage gehalten: Der Held des Geschehens ist ein Winzling namens Frodo Beutlin, mit staunenden Strahleaugen verkörpert von dem 20-jährigen Amerikaner Elijah Wood. Trotz seiner Jugend steht Wood seit vielen Jahren vor der Kamera, bereits 18 Filme hat er gemacht. Dieser macht ihn weltberühmt und wird ihn seine weitere Karriere begleiten. Frodo aus dem Völkchen der erdverbundenen und sinnenfrohen Hobbits ist nach etlichen Zufällen der Besitzer eines Rings, der unermeßliche Macht verleiht, aber gerade deshalb auch größtes Unheil verbreitet.

    Grausame Kämpfe in grandioser Kulisse

    Denn Sauron, der Herrscher des Schreckensreiches Mordor, will sich um jeden Preis in den Besitz des Rings bringen, um die Welt zu beherrschen. Ihn allein schreckt nicht, sondern lockt das, vor dem der weise Zauberer Gandalf, beeindruckend dargestellt von Ian McKellen, warnend den Finger hebt: "Einen Ring der Macht zu tragen, bedeutet allein zu sein". Frodo, Träger des unheimlichen Geschmeides wider Willen, ist allerdings fast nie allein. Dafür sorgen schon seine Freunde Sam, Pippin und Merry, dazu die tapferen Helden Aragorn und Boromir, sterbliche Menschen in Tolkiens Panoptikum.

    Die zarten Elb-Geschöpfe Arwen und Galadriel, mit jungfernholden Gesichtern gemimt von Liv Tyler und Cate Blanchett, sorgen für das weibliche Element in dieser männlich domnierten Fantasie-Welt. Schön hässlich sind die bösen Orks von den Maskenbildnern hergerichtet worden, dazu die grausamen Uruk-Hai, furcherregende Kreuzungen von Orks und Menschen. Es wird in dem Film, der keineswegs für Kinder geeignet ist, viel wie gnadenlos mit Axt, Schwert und Pfeil und Bogen gekämpft, es gibt auch jede Menge Opfer, meist aber auf Seiten der Bösen.

    Die Welt musste lange auf diesen Film warten

    Immer wieder zeigt Jackson die grandiose Landschaft Neuseelands, gerade für diesen Film eine ideale Kulisse. Aber nicht nur deshalb wurde der ferne Inselstaat als Drehort ausgewählt. Dort ist es nämlich auch weitaus billiger, einen Film dieses Ausmasses, wozu auch ganze Heere von Statisten zählen, in Szene zu setzen. Aber ohne die schier unendlichen Möglichkeiten der Computeranimation, mittels Trickeffekten die eigentümliche Welt Tolkiens auf die Leinwand zu bringen, wäre dieser Film, auf den die Welt lange genug warten musste, nicht möglich gewesen.

    Perfektes, opulentes Kino

    Die Musik von Howard Shore klingt verdächtig oft nach Carl Orffs "Carmina Burana"; die Dramaturgie erinnert stark an die von "Star Wars" von George Lucas; Peter Jacksons Regieeinfälle zeugen von Kenntnis der Filmgeschichte, aus der er sich unverkrampft bedient; die Moral der ganzen Geschichte ist eher simpel; die Charaktere nicht sonderlich interessant, aber eingängig. "Der Herr der Ringe" ist perfektes, opulentes Kino für realitätsmüde junge und auch ältere Erwachsene. Gemessen an der Vorlage hat Jackson seinen Auftrag bestens erfüllt. Für die Finanziers und Produzenten dürfte sich die riesige Investition auszahlen, für die Zuschauer allerdings auch, und allein das zählt.

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