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  • Kritik: Klassiker in Sommerlaune

    Er hustet und prustet, schimpft und stinkt: Der unansehnliche Obdachlose (Gérard Depardieu), den der fast bankrotte Kunsthändler Christian (Gérard Jugnot) nach dessen Selbstmordversuch aus dem Kanal fischt und mangels Alternative mit in sein gepflegtes Heim nimmt, ist alles andere als ein kultivierter Zeitgenosse.

    Vielmehr entpuppt sich dieser Boudu als anarchische Naturgewalt, die Christians Frau und seine Assistentin verführt und die bürgerliche Fassade fast zum Einstürzen bringt. Doch am Ende wirkt er heilsam für alle Beteiligten. Die Gesellschaftskomödie «Boudu - Ein liebenswerter Schnorrer», bei der Publikumsliebling Jugnot («Die Kinder des Monsieur Matthieu») auch Regie führte, eroberte im Frühjahr die Herzen der Franzosen - und Platz eins ihrer Kino-Charts.

    Dabei ist der Film eigentlich nur die Light-Version eines tiefgründigen Leinwand-Klassikers: Bereits 1932 hatte Jean Renoir das Theaterstück «Boudu Sauvé Des Eaux» mit Schauspieler-Legende Michel Simon bearbeitet und in der Konfrontation der Bürgerwelt mit einem Außenseiter eine bittere Bourgeoisie-Kritik formuliert. Ein erstes leichtgewichtiges Remake, «Down And Out In Beverly Hills» mit Nick Nolte, schuf 1986 Paul Mazursky.

    Regisseur, Co-Produzent und Mit- Autor Jugnot verkündete nun entsprechend, er wolle Egoismus, Heuchelei und Gefühlsblockaden der Figuren mit «menschlicher Nachsicht» behandeln - und verlegte seine unterhaltsame Fassung konsequent in das sonnendurchflutete Postkarten-Ambiente der Provence. Hochrangige Darsteller und witzige Dialoge, gemächliche Kameraeinstellungen und üppige klassische Musik tragen ebenfalls zur guten Konsumierbarkeit bei.

    In erster Linie gerät das Werk zum Fest für Depardieu, der Galionsfigur des gallischen Kinos: Von seiner ganzen Persönlichkeitsanlage her scheint der massige, urwüchsig wirkende Mime, der auch schon «Cyrano de Bergerac» (1989) und «Obelix» (1999, 2001) verkörperte, für die Rolle des sensiblen Berserkers wie geschaffen. Abstoßend und sexy zugleich, dabei im Herzen einsam, gelingt ihm wie mühelos der Spagat zwischen dem triebgesteuerten Analphabeten, der die Toilettentür nicht hinter sich schließt und dem romantischen Träumer, der engumschlungen mit der depressiven Frau des Hauses (Catherine Frot) zu gefühlvollen alten Platten tanzt. Gérard Jugnot als bigotter Bohème-Bürger zeigt daneben Profil, ohne seinen Christian zu denunzieren. In markanten Nebenrollen kriegen die Berufsstände der Psychiater (Hubert Saint-Macary) und Künstler (Jean- Paul Rouve) ihr parodistisches Fett weg.

    dpa

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