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  • Kritik: Kino-Kritik: "Sexy Sadie", eine brillante Stilübung von Matthias Glasner

    Die Simme ist sanft, die Diagnose eiskalt. Die Anstaltsärztin verkündet dem Massenmörder, sein Tumor im Kopf sei gigantisch und seine Lebenserwartung gleich Null. Darauf nimmt der Mörder erstens den Krebs als Strafe Gottes und zweitens Frau Doktor mit Vornamen Lucy zwecks Ausbruch zur Geisel. "Edgar ist raus"! Die Neuigkeit sorgt drittens dafür, daß sich nacheinander Edgars Stiefbruder, sein Arbeitskollege, seine erste Liebe, seine Kindsmutter und sein Vater Schießeisen besorgen, was viertens dazu führt, daß der todgeweihte Killer aus Notwehr fünffach töten muß, bis Lucy für Sex mit Sadie sorgt und für eine finale, aber mörderische Überraschung.

    Die Darsteller: Corinna Harfouch und Jürgen Vogel (in den Hauptrollen), Richy Müller, Thomas Heinze, Andreja Schneider, Gerd Wameling - Schachbrettfiguren einer streng konstruierten Nummernrevue. Jeder tritt auf als Star seiner selbst und sagt mit Bedacht kurze, banale Sätze.

    Die Schauplätze: ein Hotelzimmer, eine Sushi-Bar, ein Nachtclub, ein Vorgarten, ein Parkhaus, der Wannsee. Spärlich bestückte Räume, die Figuren darin wie Möbel, vereinzelt, verloren. Bauhaus-Design, ohne Schnickschnack und Schnörkel. Die Kamera hält sich auf Hüfthöhe oder bleibt schräg auf die Zimmerdecke gerichtet; mit weiten Winkeln und langen Autofahrten zelebriert sie ästhetischen Minimalismus. Jede Einstellung eine brillante Photographie, schwarzweiß, erlesen, cool. Und jede Szene ein Ritual, das Kino und Alltag miteinander vermählt: Der Mörder putzt sich die Zähne, als sei's film noir.

    Der Regisseur: Matthias Glasner, dreißig Jahre, Musiker, Autodidakt. Ein Wagemutiger unter den Jungfilmern, der für ein Taschengeld großes Kino versucht. Seinen Erstling "Die Mediocren" drehte er vor knapp zwei Jahren für 450 000 Mark, versammelte Fast-food-Existenzen der Neunziger auf Cinemascope und lieferte Wortgefechte in Techno-Geschwindigkeit. "Sexy Sadie", das Märchen von einem, der die neunziger Jahre verpaßt hat, wurde noch schneller und noch billiger gedreht: Neunzig Minuten Kino in sechzehn Tagen für 350 000 Mark und der Soundtrack dazu in noch mal drei Tagen. Keine Frage, "Sexy Sadie" ist eine Leistung. Und Glasner zeigt, was er kann.

    Dabei geht es um nichts. Der Parforceritt in "Die Mediocren" rang dem Zynismus immerhin seine Wahrheit ab und enthüllte die Entfremdung, die sich hinter der Schlagfertigkeit verbirgt. Diesmal stellt der Regisseur bloß sein Talent zur Schau. Als der Liebesakt mit Sadie vom frisch erstochenen Vater umtorkelt wird, auf daß Sex und Tod einander orgiastisch übertrumpfen, kippt Glasners Potenzgehabe endgültig ins Lächerliche. Sein filmischer Kraftakt erschöpft sich in purem Exhibitionismus. Welch eine Verschwendung.

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