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  • Kritik: Kinohits lassen sich nicht programmieren

    Schweine werden gemästet, getötet und zerstückelt - millionenfach. Keinem anderen Tier gegenüber haben fleischkonsumierende Westler ein so schlechtes Gewissen. Wer je in einem Schlachthof die nur allzu berechtigte Todesangst des plump wirkenden, aber intelligenten Tiers miterlebt hat, weiß um die menschliche Schuld am Schwein.

    Wie willkommen war deshalb 1995 "Ein Schweinchen namens Babe", das als selten putziges Exemplar die Herzen von Millionen gewann, Abermillionen in die Kassen schwemmte und die Herkunft des nächsten Schnitzels vergessen ließ.

    Der australische Regisseur George Miller hatte mit "Babe" ins Schwarze getroffen und will mit der Fortsetzung "Schweinchen Babe in der großen Stadt" gewiß an diesen Erfolg anknüpfen. Der am 28. Januar in Deutschland anlaufende Streifen kommt indessen mit dem Ballast, in Amerika geradezu desaströs gefloppt zu haben. Das US-Publikum meidet den in australischen Studios gedrehten Film wie die Schweinepest. Dabei schaut Babe noch immer so herzbewegend in die Welt wie vor einigen Jahren. Was also ist geschehen, warum hat das kindliche Borstenvieh die Gunst der Massen verloren?

    Schon die erste Filmszene gibt einen Hinweis: Babe, nach seinem Sieg beim großen Schafehüten-Wettbewerb weltberühmt geworden, kehrt im Triumphzug zurück auf die heimische Farm. Bauer Hoggett und seine kleine dicke Frau platzen fast vor Stolz auf ihr Super-Schweinchen. Und ähnlich muß es wohl auch "Babe"-Schöpfer Miller ergangen sein. Er wollte in der Fortsetzung kräftig einen drauflegen, präsentiert drei Mäuse als griechischen Chor, das Stadthaus, in dem die Bauersfrau samt Babe landen, ist dem Gruselmotel von Hitchcocks "Psycho" nachgebaut, die menschlichen Typen sind allesamt superschrullig, hochdressierte Tierscharen bevölkern die Leinwand, moderne Tricktechnik zaubert.

    Nein, es fehlt an nichts, Miller konnte aus dem vollen schöpfen. Nur an Wärme und Emotion fehlt fast alles. Miller hatte den Ehrgeiz, kein Rührstück, sondern eine Art schweinische Groteske zu präsentieren. Dabei geht er einfach zu weit. Zu beängstigend, höhnisch, ja manchmal auch zynisch sind da manche Szenen geraten. Insbesondere wenn Menschen gezeigt werden, deren Gesichtsform nicht zufällig der eines Schweines allzu ähnlich ist. Auch die Handlung ist reichlich dünn, eher gleicht sie einer Nummernrevue. Diese enthält einige Perlen, aber auch Rohrkrepierer und absehbare Pointen.

    Das ist schade für Babe, das mit all seiner umwerfenden Schweineunschuld durch die Kulissen läuft, natürlich auch diesmal alles zum Guten wendet und sogar einen mörderischen Pitbull vor dem jämmerlichen Verenden rettet. Winston Churchill soll gesagt haben: "Hunde schauen zu uns auf, Katzen auf uns herunter, Schweine aber betrachten uns als ihresgleichen." Filmemacher sollten dies beherzigen. Wenn wir unseren tierischen "Partner" schon weiter verspeisen: Auf der Leinwand sollten wir ihm nur das Beste angedeihen lassen.

    Wolfgang Hübner, AP

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