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  • Kritik: Kinodebüt von Regisseur Thomas Bahmann

    Albert Bursche, in der Firma ein geachteter Finanzexperte, hat eine konsumwütige, leicht frustrierte Ehefrau Sabine, eine hübsche Tochter namens Sandra, ein schmuckes Eigenheim vor den Toren Münchens und plötzlich auch ein ernstes Problem: Bursche ist pleite. Denn sein Anlageberater hat sich als Betrüger erwiesen und ist auf und davon.

    Das ist schon deshalb eine Katastrophe, weil Familie Bursche sich gerade für einen mehrwöchigen Traumurlaub in der Südsee rüstet. Erst am Flughafen kann das so übel wie blamabel hereingelegte Familienoberhaupt seinen Lieben klarmachen, daß es mit dem Urlaub mangels Kasse nichts wird.

    Die Reaktion ist verheerend: Frau Sabine (Andrea Sawatzki) wie Tochter Sandra ergreifen wütend, wenngleich mit unterschiedlichen Zielen, die Flucht. Bursche (Herbert Knaup) selbst sucht Unterkommen bei einer Tante. Allen gemeinsam ist der Versuch, das Gesicht zu wahren und deshalb eine urlaubsbedingte Abwesenheit vorzuspielen.

    Doch alle drei Versuche scheitern jämmerlich, und so treffen sie sich, heimlich und verstohlen wie Einbrecher, schließlich im eigenen Haus wieder. Bursche hat einen irrwitzigen Einfall: Die gesamte Familie wird sich bis zum Urlaubsende im Keller verstecken, um dann aller Welt, besonders aber den herzlich ungeliebten Nachbarn, die Rückkunft aus dem Südsee-Domizil glaubhaft zu machen.

    Von nun folgt eine Eskalation absurder Ereignisse, in die auch noch ein ganz realer Einbrecher namens Fred verwickelt wird. Doch in seiner Verzweiflung, zu der auch Nahrungsknappheit, ein teuflisch verrosteter Wasserhaupthahn und eine Überschwemmung beitragen, entwickelt Bursche einen genialen Plan, der aus dem Desaster einer deutschen Familie des gehobenen Mittelstandes noch ein ebenso überraschendes wie glückliches Ende erwachsen läßt. "Südsee, eigene Insel" ist der Titel des am 8. Juli anlaufenden Films, der diese originelle Geschichte erzählt.

    Eine recht angenehme Überraschung ist dieser erste Kinofilm des 37jährigen Autors und Regisseurs Thomas Bahmann. Seine Komödie ist endlich einmal eine deutsche Produktion, die über weite Strecken mit Stilsicherheit, witziger Handlung und gut beobachteten Charakteren akzeptable Sommerunterhaltung garantiert. Das muß schon deshalb herausgehoben werden, weil solches leider die Ausnahme in diesem Jahr fortwährender deutscher Filmenttäuschungen darstellt. Mit Bahmann meldet sich ein Talent, dessen weiterer Weg mit Hoffnung und Spannung zu verfolgen sein wird.

    Wenn sein Drehbuch in der zweiten Hälfte Schwächen aufweist, einige Klischees wie das der erfolgsgeilen oder schießwütigen Nachbarn verzichtbar gewesen wären und die Dialoge ruhig böser, vor allem aber pointierter hätten ausfallen können, so sei das beim Debüt auf der großen Leinwand verziehen. Denn Bahmann siedelt seine Geschichte nicht wie die meisten anderen jungen Komödienregisseur im luftleeren Raum der Schickeria an, sondern läßt die Realität einer Gesellschaft spüren, bei der immer ausschließlicher Konsum und Prestige über den Wert der Menschen entscheidet. Das gibt dem Film eine Abgründigkeit, die ihn trotz mancher Schwächen durchaus sehenswert macht.

    Wolfgang Hübner, AP

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