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  • Kritik: Kinodebüt des Werbefilm-Regiestars Tarsem Singh

    Der Serienkiller ist der wahre Held der amerikanischen Gegenwartskultur. Mit keiner anderen Sorte (Un)Mensch beschäftigt sich Hollywood so intensiv, an keiner anderen wird so gut verdient.

    Der US-Hit "The Cell" wartet mit einer neuen Killer-Variante auf, nämlich einer Reise in dessen Hirn und Albträume. Und wenn eine so attraktive Darstellerin wie Jennifer Lopez diese Reise antritt, schließt sich das Publikum trotz verständlicher Vorbehalte gegen diese Art Tourismus natürlich doch ganz gerne an.

    Im Kinodebüt des aus Indien stammenden Werbefilm-Regiestars Tarsem Singh heißt die schöne New Yorkerin mit dem Latino-Image Catherine Deane und arbeitet als Psychotherapeutin. Sie ist beteiligt an einem revolutionären wissenschaftlichen Projekt, bei dem es durch eine neuartige Apparatur mittels Transmitter möglich wird, direkt mit dem Hirn einer anderen, allerdings komatösen Person in Kontakt zu treten. Mit anderen Worten: Es lässt sich so ein Einbruch in die Vorstellungswelt eines fremden Menschen bewerkstelligen. Catherine ist bereit, das Risiko einzugehen. Denn gefährlich ist es natürlich schon, das eigene Bewusstsein wie ein U-Boot in ein anderes eintauchen zu lassen.

    Ganz zu Anfang des Films ist Catherine in einem weißen Brautkleid auf einem schwarzen Hengst in der Wüste zu sehen. So fangen Werbe-Spots an, aber der Werbeblock im Kino ist ja bereits überstanden und statt Parfüm, Alkohol oder Zigaretten verbirgt sich hinter einer Sanddüne ein verängstigter kleiner Junge, der sein Geheimnis nicht offenbaren will. Bald wird klar, dass die Therapeutin im Hirn des Jungen ist, der im Koma liegt und sozusagen als Versuchskaninchen für das Projekt dient. Erschöpft kehrt Catherine auf der futuristischen Schwebeliege in die eigene Realität zurück, ungelöst bleibt das Problem des kleinen Patienten.

    Doch schon harrt eine ungleich schwierigere Aufgabe der mutigen Frau: Ein irrer Serienkiller ist endlich dingfest gemacht worden. Doch dieser Carl Stagher, der sieben junge Mädchen bestialisch umgebracht hat, liegt im Koma, und nichts kann ihn da herausreißen. Das aber wäre dringend notwendig, befindet sich nach den Ermittlungen der Polizei doch noch ein weiteres Opfer in dem unbekannten Versteck, das Stagher zur sadistischen Folterung und Tötung der Mädchen präpariert hat. Einzige Hoffnung, das Leben der verzweifelten Gefangenen noch zu retten, ist eine Expedition in das kranke Hirn des Killers.

    Catherine nimmt das Risiko auf sich, obwohl sie von Staghers seltener Form der Schizophrenie weiß, die den Trip in dessen Geist zu einer völlig unberechenbaren und lebensgefährlichen Angelegenheit machen. Wie das Experiment endet, sei nicht verraten. Auf den Zuschauer wartet ein aufwendiges visuelles Bombardement, das durchaus Eindruck macht, zumal auch die Musik sehr effektvoll eingesetzt wird. Tarsem Singh weiß zu imponieren. Aber er übertreibt es auch: Manchmal ist "The Cell" weniger spannend als anstrengend, denn es muss in jeder Sekunde was passieren und gezeigt werden, ein geduldiger Spannungsaufbau ist verpönt.

    Jennifer Lopez ist zwar als Wissenschaftlerin nicht sonderlich glaubwürdig, aber halt nett anzusehen. Vincent D'Onofrio zeigt eine beängstigend gelungene Leistung als Killer, Vince Vaughn als FBI-Mann Peter Novak zeigt sich als gut aussehender Sympathieträger. Der wahre Star des Films ist aber wohl die japanische Kostümbildnerin und Designerin Eiko Ishioka. Sie hat sich wirklich viel einfallen lassen, wovon besonders die spektakulär in Szene gesetzte Lopez profitiert. Und die dramaturgisch fragwürdigen Bebilderungen der Albträume und Fantasien im Hirn des Mörders bekommen ihren Reiz allein aus Ishiokas greller, aber erlesener Symbolik. "The Cell" wird nicht jedem gefallen, aber fast jeden beeindrucken.

    Wolfgang Hübner, AP

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