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  • Kritik: Kino wider die Unmoral des Kapitals

    Das Bild einer «von Leichen gepflasterten Straße» wird oft gezeichnet. Was das heißt, zeigt «Hotel Ruanda» in einer gerade wegen ihrer Schlichtheit überaus schockierenden Szene.

    Selten wird das Grauen im Kino derart eindringlich greifbar wie hier. Insbesondere filmische Schlaglichter wie dieses auf den Völkermord der Hutu an der ethnischen Minderheit der Tutsi vor elf Jahren in Ruanda machen die emotionale Kraft des Spielfilms von Autor und Regisseur Terry George aus.

    «Wir wollen das Kino als Ort des Gedächtnisses und Gedenkens nutzen», sagte George bei den Internationalen Filmfestspielen im Februar in Berlin. Er erreicht das mit bewundernswerter Konsequenz. Dabei gelingt die schwierige Balance zwischen schrecklicher historischer Wahrheit und spannungsgeladener persönlicher Geschichte ohne reißerische Action.

    Die auf Tatsachen beruhende Story schildert das Leben von Paul Rusesabagina (Don Cheadle). Er arbeitet als Manager eines Hotels in Kigali. Die Ehe des Hutu mit der Tutsi Tatiana (Sophie Okonedo) ist glücklich. Dann aber wird der ruandische Präsident angeblich von Tutsi-Rebellen ermordet. Die Gewalt eskaliert. Hutu schlachten Tutsi regelrecht ab.

    Paul bringt die Seinen und ein paar Nachbarn in dem von Blauhelmen beschützten Hotel unter. Die angekündigte Ankunft internationaler Truppen verspricht Hoffnung. Doch die UN-Soldaten kommen allein, um ausländischen Touristen sicheres Geleit aus dem Land zu geben. Paul hat inzwischen die Verantwortung für mehr als eintausend Menschen übernommen. Niemand hilft ihm, weder der kanadische Offizier Oliver (Nick Nolte), noch seine Chefs, erst recht nicht die Politiker der Welt. Denn die Welt guckt nicht auf Ruanda. Und das Morden geht weiter.

    Paul Rusesabagina ist der ideale Kinoheld, ein Mann wie du und ich, der von den Umständen gezwungen wird, über sich selbst hinaus zu wachsen. Nur: Er ist kein Kinoheld, es gibt ihn wirklich. So bekommt der Film in manchen Szenen eine Spannung und Dramatik, die kaum auszuhalten ist. Rusesabaginas Menschlichkeit ist es, die den Film prägt. Mit ihm ist das Publikum fassungslos über die Ignoranz der Weltöffentlichkeit, das Versagen der Politik im Banne wirtschaftlicher Machtkämpfe, denen der Genozid auch dienlich war.

    Regisseur George zeigt das aus der Sicht seines Protagonisten und braucht deshalb keine vordergründigen Parolen, um dem Film die notwendige politische Dimension zu geben. Mit «Hotel Ruanda» leistet das Kino eine beachtliche Kampfansage wider die Unmoral des Kapitals. In nur einhundert Tagen kamen damals fast eine Million Menschen in Ruanda ums Leben. Ein Film wie dieser kann sie nicht wieder lebendig machen. Aber er hält die Erinnerung an sie wach, er appelliert an das Gewissen der international politisch Verantwortlichen und zeigt, dass Zivilcourage selbst in der Hölle ein kleines Wunder bewirken kann.

    Der wirkliche Paul Rusesabagina bestätigt den Wahrheitsgehalt des Films: «Neunzig Prozent von dem, was gezeigt wird, hat sich genau so zugetragen. Die Erfindungen dienen dem Erzählfluss, verfälschen aber das schreckliche Geschehen nicht.» Er verbinde mit dem Film über sein Leben in erster Linie eine große Hoffnung: «Als der Terror in Ruanda wütete, hat die Welt weggeguckt. Es wäre gut, wenn dieser Film dazu beitragen könnte, dass nirgendwo mehr weggeguckt wird, dass sich zum Beispiel in Darfur oder Kongo nicht noch einmal wiederholt, was in Ruanda geschehen ist.»

    dpa

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