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  • Kritik: "King George" - Ein Königreich für mehr Verstand

    Die Perücken sind schön weiß gepudert, die Gesichter ganz nach Etikette hell geschminkt, die wallenden Roben noch einmal geglättet - der Hofstaat macht sich fein für seinen Regenten. Wenn König George III. Audienz hält, muß im britischen Königshaus alles seinen rechten Platz haben. Alles scheint perfekt. Doch irgendwo stimmt da etwas nicht.

    Es ist tatsächlich der König selbst, der mit der royalen Etikette bricht. Er selbst unterbricht das - zugegebenermaßen langweilige - Konzert der Hof-Musiker, um sich wie ein Berserker selbst an das Spinett zu stürzen. Er selbst ist es, der seinen Sohn vorbei an perückten Damen und Herren mit Kriegsgeschrei wie einem kleinen Kind hinterherjagt. Er ist es, der des frühen Morgens im Nachthemd über die Felder läuft. Ist der König verrückt geworden?

    Tatsächlich litt der wahre König George III. an einer seltsamen Geisteskrankheit, die den erfolgreichen Regenten nach 30 Jahren Herrschaft 1788 befiel. Eine seltsame Stoffwechselanomalie, die den Urin blau färbte, war das Symptom seiner zunehmend schwächer werden Gesundheit. Für die klatschsüchtigen Briten bringt heute dessen tragikomischer Leidensweg die immer wieder vergnügliche Erkenntnis: Auch Könige sind nur Menschen.

    Eine Weisheit, die den britischen Bühnenautor Alan Bennett 1991 offensichtlich zu dem Bühnenstück "The madness of Georg III." animierte, das nun die Grundlage für den Film "King George - Ein Königreich für mehr Verstand" bildet. Alan Bennett schrieb selbst das Drehbuch, auch der Regisseur (Nicholas Hytner) und der Hauptdarsteller (Nigel Hawthorne) der erfolgreichen Theaterinszenierung wurden in die Filmfassung übernommen. Herausgekommen ist ein prächtig ausgestatteter, wunderbar überdrehter, beschwingt erzählter Kostümschinken, der sich geschickt die Mittel des Films zunutze macht.

    Zahlreiche Nahaufnahmen erzählen vom leidensfähigen Gesicht des von Darm- und anderen sehr menschlichen Problemen geplagten Herrschers. Mit Vergnügen weidet sich die Kamera in den Totalen an dem inszenierten Massenspektakel bei Königs. Kleine detaillierte Beobachtungen werden - schnell aneinandergeschnitten - zu Teilen einer amüsanten Nummernrevue: Hier wird auf die Krone gespuckt, dort ein Anzug zurechtgerückt, ein Näschen gepudert. Der ganze Hof ein einziges Theater.

    Dermaßen mit spitzer Feder geschrieben und mit visueller Pracht angereichert, mit überspannten Figuren besetzt und mit flinkem Witz inszeniert, geht es Regisseur Nicholas Hytner natürlich nicht um historical correctness. Während nämlich sein von Nigel Hawthorne brillant gespielter Operetten-König wider alle höfischen Intrigen und gesundheitlichen Schwächen am Ende triumphiert, wurde dessen historisches Vorbild nach immer stärkeren Anfällen von geistiger Umnachtung 1811 schließlich für unzurechnungsfähig erklärt.

    "King George - Ein Königreich für mehr Verstand" (Großbritannien/USA) 1994: 110 Minuten. Freigegeben ab 12 Jahren. Startet mit 40 Kopien. Regie: Nicholas Hynter. Buch: Alan Bennett. Kamera: Andrew Dunn. Musik: George Fenton. Darsteller: Nigel Hawthorne, Helen Mirren, Ian Holm, Amanda Donahoe, Rupert Graves.

    "King George - Ein Königreich für mehr Verstand" (Großbritannien/USA) 1994: 110 Minuten. Freigegeben ab 12 Jahren. Startet mit 40 Kopien. Regie: Nicholas Hynter. Buch: Alan Bennett. Kamera: Andrew Dunn. Musik: George Fenton. Darsteller: Nigel Hawthorne, Helen Mirren, Ian Holm, Amanda Donahoe, Rupert Graves.

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