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  • Kritik: Kindheitserinnerungen der Urenkelin Sigmund Freuds:

    Die junge Engländerin Julia ist eine energische Frau. Nach einer gescheiterten Beziehung verläßt sie mit wenig Gepäck und ihren beiden Kindern das regnerische London, um im sonnigen Marokko Trost sowie das Abenteuer des Orients zu suchen.

    Es ist eine waghalsige Herausforderung, der sich Julia und die aufgeweckten Töchter Lucy und Bea in der völlig anderen Kultur des arabischen Landes stellen. Zumal Julia wenig Geld hat, was auch im vergleichsweise armen Marokko zu Problemen führt. Doch die schöne Britin hat großen Lebensmut, sie sucht die völlige Unabhängigkeit, und sie sucht sich selbst, ohne ihre Töchter dabei vernachlässigen oder gar verlassen zu wollen.

    "Marrakesch" heißt der ab 15. April in den deutschen Kinos anlaufende Film, der die nordafrikanische Episode aus dem Leben Julias, Lucys und Beas erzählt. Was die britisch-französische Produktion außer dem verheißungsvollen Titel samt exotischen Schauplätzen attraktiv macht, ist natürlich die Besetzung der Julia-Rolle mit "Titanic"-Star Kate Winslet. Vom Eisberg in die Wüste ist fürwahr ein echtes Kontrastprogramm, doch die 23jährige Engländerin beweist erneut, daß sie mit Können, Warmherzigkeit und ihrer starken persönlichen Ausstrahlung einen Film fast schon im Alleingang tragen kann.

    Es ist jedenfalls beeindruckend, wie Kate Winslet einer oft zu sehr ins episodenhafte abgleitenden, recht ziellos umherschweifenden Handlung Momente abgewinnt, die den Zuschauer anrühren. Insbesondere sind das jene Szenen mit den Töchtern, die das fremde Land mit einer Mischung kindlicher Unbefangenheit und dem Drängen nach geordneten Verhältnissen erleben. Sie stören sich nicht an der zeitweiligen Liebe ihrer Mutter zu dem einheimischen Lebenskünstler Bilal, verkörpert von dem in Frankreich aufgewachsenen Einwandererkind Said Taghmaoui. Doch die kleinen Engländerinnen empfinden stärker als ihre Mutter, daß sie Fremde in der Fremde sind und bleiben werden - mit oder ohne Geld.

    "Marrakesch" ist die Verfilmung des 1992 von der damals 26jährigen Esther Freud veröffentlichten Erfolgsromans "Hideous Kinky". Die Urenkelin des Begründers der Psychoanalyse, Sigmund Freud, und Tochter des berühmten Malers Lucien Freud hat in dem Buch ihr Erlebnis eines eineinhalbjährigen Marokko-Aufenthalts mit ihrer Mutter und Schwester Ende der sechziger Jahre verarbeitet. Billy MacKinnon hat daraus ein Drehbuch gemacht, sein Bruder Gillies MacKinnon hat es inszeniert. Dank Kate Winslet, die für das Buch schwärmt und sofort ihre Beteiligung an dem Projekt zusagte, ist das Werk der schottischen Brüder nicht mißlungen. Aber ein wirklich beeindruckender Film ist "Marrakesch" gleichwohl nicht geworden.

    Gewiß sind die Farben und das Licht Marokkos immer wieder faszinierend, das Aufeinandertreffen europäischer und arabischer Kultur von spannungsreichem Reiz. Aber war das nicht schon oft genug zu sehen? Es geling den Filmemachern kaum, neue Funken zu schlagen. Und die Probleme einer jungen Frau im Hippie-Rausch der glücklich-unruhigen Aufbruchjahre um 1968 wirken Lichtjahre entfernt. Der Film ist ein wunderschönes Bilderalbum. Aber man betrachtet dieses Album bis auf wenige dramatische Momente recht unbeteiligt. Für Kate Winslet hat "Marrakesch" sich auf jeden Fall gelohnt: Bei den Dreharbeiten in Marokko lernte sie ihren als Regieassistenten fungierenden Ehemann Jim Threapleton kennen und lieben.

    Wolfgang Hübner, AP

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