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  • Kritik: Kindermädchen bringt chassidischen Jungen zum Lachen

    Die Studentin Chaja nimmt im Antwerpen der siebziger Jahre einen Job als Kindermädchen bei einer chassidischen Familie an. Dort trifft sie auf eine abgeschottete Welt von strengen religiösen Regeln und auf einen vierjährigen Jungen, der noch nie ein Wort gesagt hat.

    Doch bald schon lässt sich der Kleine von der Fröhlichkeit Chajas anstecken und spricht seine ersten Sätze. Während vor allem sein Vater mit Chajas unorthodoxen Ansichten ein Problem hat, lernt sie selbst ihre jüdischen Eltern besser verstehen, die mit ihren Erinnerungen an die Konzentrationslager hadern. "Kalmans Geheimnis" kommt am 12. August in die Kinos.

    Mit diesem Film gab der niederländische Schauspieler Jeroen Krabbe auf der Berlinale 1998 sein Regiedebüt. Der Film erhielt dort den Preis der Gilde Deutscher Filmkunsttheater, und Krabbe wurde mit dem Blauen Engel, dem Preis der Europäischen Film- und Fernsehakademie, ausgezeichnet. Das Drehbuch basiert auf dem Roman "Zwei Koffer" der Autorin Carl Friedman. Gedreht wurde im chassidischen Viertel von Antwerpen.

    Filmheldin Chaja leidet an der Traurigkeit ihrer Eltern: Ihr Vater, Herr Silberschmidt (Maximilian Schell), sucht wie besessen nach zwei Koffern mit der ganzen übriggebliebenen Habe seiner Familie. Er hatte diese Koffer auf seiner Flucht vor den Nazis einst vergraben müssen, und erntet für seine Suche in einem Neubauviertel der Stadt nur Kopfschütteln von seiner Frau (Marianne Sägebrecht). Die will überhaupt nicht über die Vergangenheit sprechen und bäckt viel zu viel Kuchen.

    Chaja, gespielt von der schottischen Debütantin Laura Fraser, freundet sich in der chassidischen Familie Kalman mit dem kleinen traurigen Simcha an. Der kleine Londoner Adam Monty spielt diese seine erste Rolle hervorragend. Simchas Mutter (Isabella Rossellini) beugt sich allen auferlegten Regeln, sie entwickelt jedoch auch Freundschaft zum unbeschwerten Kindermädchen, weil Simcha in deren Nähe aufblüht.

    In der Rolle von Simchas strengem Vater verkörpert Krabbe einen Mann, der beim Anblick seines Kindes immer an den von Nazis getöteten Bruder erinnert wird. Neben den Erfolgen auf Filmfestivals freuten den Regisseur vor allem auch die Reaktionen des holländischen Kinopublikums seit dem Start des Films im vorigen Jahr: Er bekam nach eigenen Angaben viele Briefe von Menschen, die ihm dafür dankten, dass er mit seinem Film das Schweigen und Verdrängen nach dem Zweiten Weltkrieg angesprochen hat.

    Der stimmungsvolle Film lässt viel erfahren über die verschiedenen Arten, wie Juden mit der schrecklichen Vergangenheit umzugehen versuchen. Und wie nicht nur die auffällig andersartigen Chassidims immer noch Ablehnung erfahren, sondern auch die moderne Chaja. Da ist vor allem der tägliche Feind in Gestalt des fanatischen, skurrilen Hausmeisters (David Bradley). Ein sehenswerter Film, der allerdings den romangetreuen Druck auf die Tränendrüse im Finale nicht nötig gehabt hätte.

    Bianka Piringer, AP

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