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  • Kritik: Ken Loach inszeniert - Mullan fasziniert

    Eine Goldene Palme war der Lohn für Peter Mullans Leistung in "My Name is Joe". Als Titelheld der glaubwürdigen Romanze wurde der schottische Künstler 1998 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Vom 7. Januar an hat nun auch das deutsche Kinopublikum Gelegenheit, die schauspielerische Überzeugungskraft des 39jährigen zu bewundern.

    In den Wohnvierteln der Underdogs ist das Leben kein Zuckerschlecken. Um so wichtiger sind die kleinen Freuden. Für den arbeitslosen, seit einem Jahr trockenen Alkoholiker Joe gehören dazu seine Tätigkeit als Hobbytrainer der schlechtesten Fußballmannschaft Schottlands und seine Scherze, die ihm bei jeder passenden Gelegenheit über die Lippen kommen.

    Widrigkeiten zu trotzen, auch wenn das Schicksal immer wieder einen harten Schlag unter die Gürtellinie donnert, ist das Markenzeichen der Alltagshelden englischer Arbeiterklasse-Dramen wie "Secrets and Lies" oder "Ganz oder gar nicht". Regisseur Ken Loach ("Raining Stones", "Ladybird, Ladybird") ist für die bestechende Authentizität seiner Werke bekannt. Laiendarsteller und sorgsame Milieu-Recherche sind zwei der Faktoren, mit denen er Peter Mullan - in ihrer zweiten Zusammenarbeit nach "Riff-Raff" - eine ideale Basis bereitet. Mullans läßt seine Figur nicht ins Stereotype abgleiten.

    Der gebeutelte, aber gutherzige Joe trifft auf die tolerante Sozialarbeiterin Sarah (Louise Goodall), und die beiden Enddreißiger fühlen sich zueinander hingezogen. Die zarten Hinweise auf das Erwachen ihrer Liebe gehören zu den bezauberndsten Momenten des Films. Unterschwellig wird jedoch auch spürbar, daß Joe neben dem festen Willen, sein Leben im Griff zu behalten, auch die permanente Furcht wieder abzurutschen, begleitet.

    Als Joe einem seiner Spieler aus Schwierigkeiten heraushelfen will, läßt er sich auf einen Handel mit einen Drogenboß ein. Reaktionen und Gegenreaktionen münden in einer sich immer schneller drehenden Spirale von Komplikationen zwischen allen Beteiligten. Dazu kommen bei Sarah aus früheren Enttäuschungen resultierende Schutzreaktionen - ein massiver Konflikt zwischen den Liebenden ist die Folge. Joe hält diesem Druck nicht stand.

    Die Zeit, die Ken Loach der Entwicklung der Lovestory einräumt, scheint er gegen Ende wieder aufholen zu wollen. Schlag auf Schlag arbeitet er die Auflösung ab. Doch für diesen Schwachpunkt wird das Publikum entschädigt: Durch den Humor, in den Loach das sozialkritische Thema einbettet, und durch die glaubhaft ambivalente Liebesgeschichte. Wie eine Wechseldusche den Kreislauf ankurbelt, so macht "My Name is Joe" die Gefühle im Zuschauer lebendig.

    Silke Weiss, dpa

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