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  • Kritik: Katja von Garniers zweiter Film "Bandits" - Geschichte mit wenig Substanz und viel Musik

    Frankfurt/M (AP) Die eine ist eine Giftmörderin, die andere wegen Totschlags verurteilt, die dritte hat ein Raubüberfall hinter Gitter gebracht, der vierten wurde Heiratsschwindel zum Verhängnis. Dieses weibliche Quartett mit kriminellem Hintergrund hat sich nicht nur in einer Rockband mit dem bezeichnenden Namen "Bandits" zusammengefunden, sondern ist auch die neue Heldengalerie des deutschen Frauenkinos im gleichnamigen Film von Katja von Garnier, der am 3. Juli anläuft. Ein amerikanischer Verleih gibt für "Bandits" Rückendeckung mit viel Werbung und Medientamtam - das wird auch notwendig sein.

    Denn es gibt nichts Schwierigeres, als einen sensationellen Debüterfolg mit dem nächsten Werk überzeugend zu bestätigen. Das war gewiß auch der jungen Regisseurin bewußt, die sich nach ihrem nur einstündigen Komödienhit "Abgeschminkt" vier Jahre und einen gescheiterten Hollywood-Versuch Zeit ließ mit ihrem zweiten Film "Bandits". Nicht immer gerät gut, was lange währt: Denn was Garnier präsentiert, ist ein unmäßig aufgeblasenes Musikvideo mit mickrigem Inhalt und vielen ziemlich dreist geborgten Versatzstücken aus berühmten und weit besseren Filmen.

    Nicht zu sehen ist allerdings eine Geschichte oder zumindest Geschichtchen, das den Kinobesuch lohnen würde. Dabei wollte die Jungregisseurin, die auch mit am Drehbuch von Uwe Wilhelm geschrieben hat, doch alles richtig machen. Girlie-Bands ganz groß in Mode? Also sind die Hauptfiguren vier Frauen, die Rockmusik machen. Schnelle Schnitte sind im Trend? Also dem Zuschauer nur keine Besinnung. Manager von Musikkonzernen sind allesamt geld- und auch sonst gierige Fieslinge? Also muß der kaputte Typ sich Koks reinziehen.

    Die dürre Story, die Garnier breit auswalzt, erzählen die besseren MTV-Videos in drei Minuten prägnanter. Zudem mit dem unschätzbaren Vorteil, daß die Musik an einem Stück und nicht unendlich zerstückelt zu hören ist: Vier Frauen finden sich im Knast zu einer Band zusammen. Bei erster Gelegenheit reißen sie aus, werden durchs Land gejagt und ein Medienereignis, ihr Song wird zum Hit, und sie nehmen eine attraktive männliche Geisel. Wie alles ausgeht, sei natürlich nicht verraten, reißt aber auch nicht vom Kinostuhl. Stets ist zu spüren, daß Garnier alles richtig und originell machen wollte, aber dabei verkrampft und Krampf erzeugt.

    Emma, Luna, Angel und Marie, so heißen die entflohenen Strafgefangenen, um die sich alles dreht. Gespielt werden die vier Frauen von bekannten wie aufstrebenden deutschen Schauspielerinnen: Die unvermeidliche Katja Riemann mimt die intelligent-mürrische Anführerin Emma, der 56jährige frühere DDR-Star Jutta Hoffmann als sanfte Marie sinniert schon über den Tod nach, Nicolette Krebitz ist hübsch-lieb die naive Angel, die vielseitig begabte Deutsch-Perserin Jasmin Tabatabei hat als wilde Luna das loseste Mundwerk, gibt sich aggressiv und versteckt doch eine empfindsame Seele hinter ihrem Gehabe.

    Warum sich die behütete Adelstochter Garnier kriminelle Frauen zu Heldinnen ihres zweiten Films gewählt hat, ist nicht nicht schwer zu raten und wurde bereits vor drei Jahren in einem Porträt der inzwischen 30jährigen Regisseuren mit den langen dunklen Haaren enthüllt: "Sie hat nichts wirklich Wichtiges zu sagen." Deshalb erzählt sie eine Geschichte, mit der sie hofft, das Publikum beeindrucken zu können. Aber die nach ihrer ersten Talentprobe allzuhoch gelobte Garnier bringt nur Kopfgeburten auf die Leinwand: Ihre Figuren wirken wie reine Schreibtischkonstrukte, diktiert von Garniers Selbsteingeständnis: "Es sollte ja ein moderner Film werden."

    Das muß irgendwo auch dem umhätschelten "Wunderkind" des deutschen Films gedämmert haben, denn sonst würde sie unter dem Vorwand eines "dramatischen Musikfilms" nicht so penetrant immer wieder auf den schutzlosen Zuschauer dröhnende Bandrythmen einhämmern lassen. Wobei die musikalischen Einlagen nicht das Schlechteste an "Bandits" sind. Garnier selbst meint: "Musik kann einen über schlechte Stimmungen hinwegtragen." Das ist sicher richtig. Aber selbst die Musik kann aus einem mißlungenen und auch verlogenen Film keinen machen, den man sich unbedingt ansehen müßte.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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