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  • Kritik: Karmakars Kammerspiel "Der Totmacher"

    Mal hält er sein unrasiertes Gesicht, aus dem die blauen Augen so unschuldig wie kalt auf den Gesprächspartner schauen, in das helle Licht, mal versteckt er seinen prägnanten Schädel im geheimnisvollen Schatten, mal erscheint seine Figur im verdächtigen Zwielicht. Man weiß einfach nicht, was man von dem Hannoveraner Massenmörder Fritz Haarmann halten soll, der bei der gerichtspsychiatrischen Untersuchung in der Göttinger Heilanstalt von dem Medizinalrat Ernst Schultze auf seine geistige Zurechnungsfähigkeit abgeklopft wird.

    Höchstwahrscheinlich ist aber Fritz Haarmann, der 24 junge Männer zu Tode gebissen und deren Leichen dann fein säuberlich zerstückelt hat, nur ein glänzender Schauspieler, der seine Bauernschläue und Skrupellosigkeit hinter einer durchaus sympathischen Fassade aus Idiotie und Naivität versteckt. So spielt ihn zumindest Hauptdarsteller Götz George in Romuald Karmakars Kammerspiel "Der Totmacher".

    Vom kurzgeschorenen Kopf, der sich angewidert zur Seite winden wie auch direkt auf den verhörenden Psychiater zustoßen kann, bis zu den dreckigen Fingernägeln, die zur Illustration des Zerstückelns der Körper rhythmisch auf den Tisch trommeln, beherrscht dieser Fritz Haarmann alle Regeln der Körpersprache. "Der Totmacher" verzichtet auf die üblichen Thriller-Elemente wie Blut und Leichen, Action und Suspense. Handlungsort ist ausschließlich ein kahler Raum in der Anstalt, Handlungspersonen sind neben Haarmann und Schultze nur noch ein stummer Stenograph.

    Das Drehbuch basiert auf den authentischen Protokollen der gerichtspsychiatrischen Untersuchung aus dem Jahre 1924. Eben wegen dieser Beschränkung der Mittel und der Strenge der Inszenierung ist "Der Totmacher" so eindrucksvoll geworden. Weil er die Möglichkeiten seiner beiden Hauptdarsteller voll und ganz ausschöpft. Im Verbund mit der eindringlichen Lichtgebung und Kameraführung wird der "Totmacher" zu einem absolut sehenswerten Grusel-Krimi, bei dem der Horror im Kopf des Zuschauers entsteht.

    "Der Totmacher" (Deutschland) 1995: 114 Minuten. Freigegeben ab 12 Jahren. Startet mit zirka 22 Kopien. Regie: Romuald Karmakar. Kamera: Fred Schuler. Drehbuch: Romuald Karmakar und Michael Farin. Darsteller: Götz George, Jürgen Hentsch, Pierre Franckh.

    "Der Totmacher" (Deutschland) 1995: 114 Minuten. Freigegeben ab 12 Jahren. Startet mit zirka 22 Kopien. Regie: Romuald Karmakar. Kamera: Fred Schuler. Drehbuch: Romuald Karmakar und Michael Farin. Darsteller: Götz George, Jürgen Hentsch, Pierre Franckh.

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