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  • Kritik: Kästner-Film von Caroline Link

    Der 100. Geburtstag von Erich Kästner ist schon vielfach gefeiert worden. Die Münchner Filmemacherin Caroline Link erinnert jetzt auf besonders liebevolle Art an den berühmten Künstler und Schriftsteller. Nach ihrem Oscar-nominierten Kinodebüt "Jenseits der Stille" macht sie mit der Neuverfilmung des Klassikers "Pünktchen und Anton" die Geschichte einer unverbrüchlichen Kinderfreundschaft wieder lebendig.

    Am 11. März, drei Wochen nach dem Kästner- Geburtstag, kommt das heiter-melancholische Familiendrama bundesweit in die Kinos.

    "Ich hab' Erich Kästner schon immer sehr gemocht", erzählt die 34jährige im dpa-Gespräch. "Er hat eine schöne Art, mit Kindern über Themen zu reden, die ihnen nahegehen, manchmal fast ein bißchen weh tun - und das mit einem unverwechselbar klugen Humor." Um die Geschichte aus den 30er Jahren für die Kids von heute verständlich zu machen, hat Caroline Link sie im Drehbuch leicht entstaubt - die Werte Freundschaft, Vertrauen und Gerechtigkeit sind geblieben, der moralische Zeigefinger fehlt.

    Pünktchen, Tochter aus reichem Hause, verkauft für ihren in Not geratenen Freund Anton nicht mehr Schnürsenkel und Streichhölzer, sondern singt in einem Münchner U-Bahnhof fetzige Straßensongs. Aus Kästners Kinderfräulein Andacht ist ein flottes Au-Pair-Mädchen (Sylvie Testud) auf der Vespa geworden. Pünktchens Vater (August Zirner) arbeitet nicht als Fabrikant, sondern als Herzspezialist, ihre Mutter (Juliane Köhler) kümmert sich lieber um die Kinder der Welt als um ihr eigenes, und Antons Mama (wunderbar: Meret Becker) ist eine lungenkranke, überforderte Alleinerziehende.

    Der spritzig erzählte Film lebt vor allem von den Hauptfiguren. Besonders die zehnjährige Elea Geissler ist als pfiffiges und manchmal ein bißchen neunmalkluges Pünktchen eine Traumbesetzung. "Das ist so 'ne Freche, die sich traut, ihren Mund aufzumachen. Das paßt zu mir", sagt die Schauspielerinnen-Tochter aus Frankfurt selbstbewußt. Aber auch dem zehnjährigen Max Felder aus München nimmt man seinen nachdenklichen, charmanten Anton sofort ab. "Ich will mal Stuntman oder Schauspieler werden", sagt er.

    Manchmal freilich kommt die Geschichte trotz Links behutsamer "Übersetzung" ein bißchen schwarzweiß daher. Vor allem das Happy-End ist fast zu schön, um wahr zu sein. "Ich finde es falsch, Kindern zu früh die Hoffnung zu nehmen", sagt die Regisseurin. "Sie sollten wissen, daß es sinnvoll ist, sich für etwas stark zu machen und auch mal was zu riskieren." So gesehen ist "Pünktchen und Anton" auch ein schöner Film für große Kinder - und für alle Eltern.

    Auf der Berlinale, wo die Komödie zum Abschluß außer Konkurrenz lief, reagierte vor allem das kleine Publikum mit viel Lachen und begeistertem Applaus. Die Journalisten dagegen könnten nach dem Erfolg von "Jenseits der Stille" mit einem Kinderfilm oft nicht viel anfangen, meint Link. Dabei habe sie selbst sich nicht unter Erfolgsdruck gefühlt. "Es freut mich einfach, wenn ich eine Geschichte erzählen kann, die nicht nur unterhält, sondern das Gefühl, die Seele anspricht."

    Nada Weigelt, dpa

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