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  • Kritik: Junkie-Story "Trainsspotting"

    Hamburg (dpa) - "Trainspotting" heißt soviel wie Züge gucken - am Gleis oder auf der Brücke stehen und den vorbeirauschenden Loks hinterherschauen. Wie den verpaßten Chancen auf ein anderes Leben. Denn die Jungs und Mädchen am Rande der Gleise haben in Danny Boyles gleichnamigen Film (Kinostart 15. August) auch ganz andere Probleme:

    Ihr Alltag in dem abgewrackten Arbeitervorort von Edinburgh ist von Drogen geprägt - und das scheint ihnen zeitweise sogar Spaß zu machen. Ein drastischer Kreislauf aus Langeweile und Lebensgier, der kaum zu durchbrechen ist und das Leben mit Heroin in all seiner Widersprüchlichkeit zeigt - all das ist "Trainspotting".

    "Ich wollte einen Film über Drogen machen. Aber ich wollte keine Lektionen erteilen", sagt Boyle im dpa-Interview: "Auch Lachen muß erlaubt sein." Der provozierende Streifen, der bei den Filmfestspielen in Cannes zum Independent-Hit wurde und in England trotz lautstarker Kontroversen den britischen "Oscar" - den Bafta - abräumte, hat auf der Insel bereits Kultstatus erreicht und ist dort der größte Filmerfolg nach "Vier Hochzeiten und ein Todesfall".

    Erzählt wird die Geschichte von Sick Boy, dem Frauenschwarm und Gelegenheitsjunkie, von Spud, dem liebenwert-wankelmütigen Wanderer zwischen diversen Drogenwelten, von Begbie, der sich den Kick mit Prügeleien und Alkohol holt, und natürlich von Mark Renton (Ewan MacGregor), der Kierkegaard liest, für einen Trip auch schonmal in die Kloschüssel abtaucht und sich ein tiefere Gedanken über seinen Drogenkonsum macht. "Entscheide Dich fürs Leben; entscheide Dich dafür, auf der Couch rumzusitzen und bescheuerte, nervtötende Videoschows anzugucken, während Du Dir beschissenes Junkfood in den Mund stopfst. Also, ich habe mich entschieden, mich nicht fürs Leben zu entscheiden", lautet seine Devise.

    "Wir wollten die Situation nicht verklären - wir wollten einen echten Film machen, der nah am Leben dran ist", sagt Boyle. Dabei konnte er auf bewährte Teamarbeit setzen: Ebenso wie Boyles erster Regieerfolg "Kleine Morde unter Freunden" (1994), entstand "Trainspotting" zusammen mit John Hodge (Drehbuch) und Andrew MacDonald (Produzent). Vergleichbar war auch die Arbeitsweise, um den Erfolgsroman des Briten Irvine Welsh umzusetzen - erneut suchten die die Nähe zu den Schauspielern, lebten in einer Wohnung zusammen. "Wir gingen in Filme wie 'Clockwork Orange', zeigten ihnen Fotos, hörten Musik, brachten sie mit Junkies zusammen", berichten Hodge und Doyle.

    Das Team unverbrauchter junger Schauspieler tut das seinige zu dieser Authentizität hinzu. Neben dem Hauptdarsteller MacGregor, der auch schon in "Kleine Morde" zu sehen war, überzeugt vor allem Robert Carlyle als verschlagen-aggessiver Begbie. Surreale Filmsequenzen, mit Tricktechniken aufgemotzt, bunter Bilderrausch und düsterste Alpträume fließen flott durcheinander. Komplett macht das Zeitgeist-Stück ein eingängiger Soundtrack, der von Iggy Pops "Lust of life" bis zu Ecstasy-Dancehits von Britpopbands wie "Blur" und "Elastica" den Bogen über 20 Jahre Drogenkonsum spannt. Dem britischen Filmer-Trio ist ein provozierendes Gesamtkunstwerk gelungen: "Trainspotting" hat bei aller geschmacklosen und skurrilen Abgedrehtheit eine geradezu brutale Lebensnähe, in der Extase und Tod ganz nah beieinander liegen.

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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