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  • Kritik: "Jumanji" - Wenn die Tiere das Kommando übernehmen

    Äußerlich sieht Jumanji ziemlich harmlos aus, wie ein abgegriffenes orientalisches Brettspiel, mit dem man vielleicht ein paar nette Partien Backgammon spielen könnte. Wäre da nicht dieses handtellergroße glänzende Glasauge in der Mitte des Brettes, das etwas aus dem Rahmen fällt . . . Als die Waisenkinder Judy (Kirsten Dunst) und Peter (Bradley Pierce) vor lauter Langeweile auf dem Dachboden ihres neuen Hauses stöbern, finden sie zufällig das Spiel, aus dem merkwürdige Trommelwirbel kommen. Und schnell ist's mit der Beschaulichkeit vorbei. Denn schon nachdem das erste Mal die Würfel gefallen sind, bewegen sich die Figuren von selbst. Sekunden später bricht das Chaos über die verschreckten Kinder herein: Plötzlich räkelt sich ein riesiger Löwe auf dem Bett, hangeln sich wild gewordene Affen durch die Küche und gehen spatzengroße Moskitos zum Angriff über.

    Doch die Rettung naht: Auf einmal wird Alan Parrish (Robin Williams) von dem Spiel ausgespuckt. Vor 26 Jahren war er von magischen Kräften ins geheimnisvolle Dschungelreich Jumanjis gesogen und ist nun per Zufall befreit worden. Gemeinsam mit seiner damaligen Spielgefährtin und Schulfreundin Sarah (Bonnie Hunt) nehmen Alan, Judy und Peter den Kampf mit Jumanji auf. Denn sein gewaltiger Zauber kann nur gebrochen werden, wenn es zu Ende gespielt wird. Kurze Zeit später verwandelt sich die Villa in einen undurchdringlichen Regenwald inklusive reißender Bäche und gefräßiger Krokodile, während in der einem Tollhaus gleichenden Stadt die Tiere das Kommando übernommen haben.

    Mit seinem dritten Kinofilm bleibt sich Regisseur Joe Johnston ("Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft") treu: Er begnügt sich nicht mit einer harmlos erzählten Geschichte, sondern fährt schwere tricktechnische Geschütze auf und entfacht ein furioses Feuerwerk der Spezialeffekte. Daß eine veritable Stampede von Elefanten, Giraffen, Nashörnern, Zebras und anderem afrikanischem Getier durch ein Wohnzimmer donnern kann und später durch die Stadt eine Schneise der Verwüstung schlägt, dafür sorgen die Techniker von Hollywoods Trickfabrik Nummer eins: Industrial Light and Magic. Die Computerspezialisten erweckten schon die Saurier für Spielbergs "Jurassic Park" zum Leben.

    Natürlich: Die Story ist nur Makulatur bei diesem kühl kalkulierten Fantasy-Spektakel, das seine furchterregende, zugleich slapstickartige Effekthascherei gnadenlos auf die Spitze treibt. Angesichts eines optisch-akustischen Overkills muß selbst das ansonsten nicht auf die Klappe gefallene Komikergenie Robin Williams zwei Gänge zurückschalten. Was viele Kinder wohl am Ende ärgern wird: Jumanji wird es zwar bald in den Spielzeuggeschäften zu kaufen geben - aber leider nicht in der Hollywood-Version. Was wiederum die Eltern freuen dürfte . . .

    "Jumanji" (USA) 1995. Länge: 108 Minuten. FSK: freigegeben ab sechs Jahren. Kopien: keine Angabe. Regie: Joe Johnston. Kamera: Thomas Ackerman. Darsteller: Robin Williams, Jonathan Hyde, Kirsten Dunst, Bradley Pierce.

    Copyright: DIE WELT, 22.2.1996

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