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  • Kritik: Juliette Lewis spielt die etwas andere Tochter reicher Leute

    Die Familie Tate lebt ohne materielle Sorgen im Bilderbuchamerika der gepflegten Vorstädte. Gewiss, Mutter Elizabeth ist eine ziemlich egoistische Frau, die viel Wert auf gesellschaftliche Anerkennung legt. Und Vater Radley, ein gütiger Mann, hatte Probleme mit dem Alkohol zu überwinden. Und Tochter Heather hat eine äußerst enge Freundin statt wie ihre Schwester Caroline einen Bräutigam.

    Und da gibt es auch noch Carla, die dritte der Schwestern, die mit ihrer geistigen Behinderung zehn Jahre in einem Heim gelebt hat und nun ins Elternhaus zurückkehrt. Auf den zweiten Blick also ist die Familie Tate längst nicht so perfekt und harmonisch, wie es den Anschein hat.

    Carla war und ist ein schwieriges, oft unberechenbares Mädchen. Das macht insbesondere ihrer unter alten Schuldgefühlen leidenden Mutter zu schaffen - erst recht, als sich Carla keineswegs länger als Pflegefall behandelt sehen möchte, sondern ihren Anspruch auf Freiheit und Glück anmeldet. So kommt es zu einer Reihe von Konflikten, aber auch komischen Situationen, als sich Carla in den gleichfalls leicht geistig behinderten Danny verliebt. Das ungewöhnliche Paar will nicht akzeptieren, dass nur den sogenannten "Gesunden" Sex und die Freuden der Zweisamkeit vorbehalten bleiben soll.

    In der Familie bilden sich Fronten, wobei sich die aufmüpfige Carla der Unterstützung ihres Vaters und der beiden Schwestern sicher sein kann. Mutter Elizabeth muss eine schwierige Lektion lernen und begreifen, daß es viel wichtigere Dinge als die Meinung der Nachbarn gibt. "Ganz normal verliebt" heißt der Hollywood-Film, der diese gefühlvolle Geschichte erzählt. Er dauert 129 Minuten, hat auch ein paar Längen, entbehrt nicht der Schönfärberei und ist doch ein so perfektes Produkt der Traumfabrik, dass man sich nicht ärgern muss über das investierte Eintrittsgeld. Dafür garantiert auch der Name des Regisseurs Garry Marshall.

    Der ist in seiner Branche nicht nur ein äußerst angesehener Mann, der sich auch als Drehbuchautor und Produzent einen guten Namen gemacht hat, sondern jener Regisseur, der vor einem Jahrzehnt mit der Romanze "Pretty Woman" einen weltweiten Kinohit gelandet hatte. Damals hat Marshall bewiesen, welche Emotionen die effektvolle Inszenierung einer märchenhaft-trivialen Geschichte hervorrufen kann. Dieses Handwerk versteht er glänzend, und auch "Ganz normal verliebt" profitiert davon. Wenn der Film gleichwohl weder so erfolgreich ist (jedenfalls in den USA), noch so geglückt wie "Pretty Woman" erscheint, dann ist der Grund dafür einzig in dem heiklen Stoff einer Behindertenliebe zu suchen.

    Es ehrt Marshall, dass er vor dieser absehbaren Schwierigkeit nicht zurückgeschreckt ist. Vielleicht hat es ihn einfach zu sehr gereizt, die hochbegabte Juliette Lewis in der Rolle der Carla zu präsentieren. Lewis spielt die anspruchsvolle Rolle mit erstaunlicher Ungezwungenheit und macht dieses geistig behinderte Mädchen zum Sympathieträger mit kleinen Widerhaken. Das ist auch gut so, denn manches an diesem Film ist doch allzu glatt verpackt. Zum Beispiel ist Vater Tate, verkörpert von Tom Skerritt, etwas allzu verständnisvoll, die lesbische Tochter etwas zu zeitgeistkonform und die Mutter Elizabeth, der die gereifte Diane Keaton Format gibt, etwas zu negativ gezeichnet.

    Wolfgang Hübner, AP

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