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  • Kritik: Jugendglück und Alterstragödie einer Frau

    Schwere Kost und unvernarbte Lebenswunden

    Als sie mit 35 Jahren ihren ersten Roman veröffentlichte, war die 1919 in Dublin geborene Frau bereits Dozentin für Philosophie in London und Oxford. Zwei Jahre später heiratete sie den Kollegen John Bayley, mit dem sie eine lange und exzentrische Ehe führte, so exzentrisch wie Iris Murdoch selbst war.

    Der britische Kinofilm `Iris", ab 16. Mai zu sehen, zeigt sowohl die junge, lebenstrunkene wie auch die alte, unheilbar erkrankte Schriftstellerin im ständigen Szenenwechsel. Dazu bedurfte es natürlich zweier Hauptdarstellerinnen unterschiedlichen Alters, die der Regisseur und Drehbuchautor Richard Eyre mit `Titanic"-Star Kate Winslet und Oscar-Preisträgerin Judi Dench in geradezu perfekter Weise besetzte.

    Winslet zeigt mit vollem Nacktkörpereinsatz eine freizügige junge Frau, die sich in Liebesdingen nicht um Konventionen schert, gleichwohl aber eine tiefe, lebenslange Beziehung zu dem gutmütigen, etwas schusseligen, aber hochintelligenten Bayley eingeht.

    Judi Dench, eine der großen Schauspielerinnen unserer Zeit, verkörpert in geradezu unheimlicher Intensität die alte, an Alzheimer erkrankende Schriftstellerin - berühmt, geehrt und doch dem Tode geweiht. Auch die Figur des als Literaturkritiker in England hohes Ansehen genießenden Bayley teilen sich zwei Darsteller: Hugh Bonneville als Murdochs Ehemann in jungen, Jim Broadbent als der in späten Jahren. Broadbent ist für seine bewegende Vorstellung mit Preisen überhäuft worden, darunter dem Oscar für die beste männliche Nebenrolle. Auch Winslet und Dench waren kürzlich nominiert gewesen - ein Triumph der Schauspieler in `Iris".

    Es ist keine leichte Kost, die Eyre den Kinobesuchern auftischt. Der Kontrast zwischen der sinnlichen jungen und der geistig verwirrten alten Autorin ist schmerzlich, was die spezielle Schnittdramaturgie noch zuspitzt. Der Verfall der Iris Murdoch konfrontiert den Betrachter unbarmherzig mit der raschen Vergänglichkeit des Lebens und der bangen Frage: `Was wird mir im Alter beschieden sein?" Judi Dench spielt diesen Verfall bedrückend glaubwürdig. Broadbent indessen steht ihr nichts nach, wenn er zwischen Hilflosigkeit, Wut und zärtlicher Geduld das Zusammenleben mit der kranken Ehefrau gestaltet.

    Seine menschliche Zuwendung ist umso respektabler, weil aus den Szenen des jungen Paares klar wird, in welchem Maße John damals von Iris dominiert und auch geprüft wurde, nicht zuletzt von offen ausgelebten Nebenbeziehungen zu anderen Männern. Wie unvernarbt manche dieser Wunden auch noch nach Jahrzehnten sind, macht in einer Szene die schon fast hassvolle Eruption des alten Mannes deutlich, mit der er sich gegen die bereits kranke Gefährtin auflehnt.

    Es ist einer der Höhepunkte des Films, der nicht stets der Gefahr entgeht, mit seinen allzu kalkulierten Wechseln der Zeitebenen den Zuschauer zu ermüden und zu überfordern. Aber wahrscheinlich ist es einfach nur schlecht zu ertragen, an dem so intensiv gespielten Verfall einer ungewöhnlichen Frau und dem Dilemma ihres nicht viel weniger ungewöhnlichen Mannes, mit einer wie Iris Murdoch zu leben, Anteil nehmen zu sollen.

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