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  • Kritik: Jugend im Baltimore der 50er Jahre:

    Baltimore 1954: Offiziell wird die Rassentrennung in den Schulen erstmals aufgehoben - schwarze und weiße Kinder drücken gemeinsam die Schulbank.

    Doch hinter den Fassaden ist vieles noch anders: In dem neuesten Streifen von Barry Levinson ("Rain Man") erfährt eine jüdische Familie in "Liberty Heights", einem Stadtteil von Baltimore, dass auch Wohlstand und bessere Gesetze die in den Köpfen verankerte Trennung durch Religion und Rasse nicht so schnell vergessen lassen.

    Gut zwei Stunden lang erzählt Levinson einfühlsam über den amerikanischen Alltag in einer von tief greifenden Veränderungen geprägten Zeit. "Baltimore war wie viele andere Städte von unsichtbaren Trennlinien durchzogen. Dabei ging es nicht nur um Schwarz und Weiß, sondern um die Deutschstämmigen, die Italiener, die Juden, die Iren...", erinnert sich der Autor und Regisseur Levinson an die Jugend in seiner Heimatstadt, in der er den größten Teil seines Lebens verbrachte.

    Die Familie Kurtmann wird als eine "ganz normale" amerikanische Mittelstands-Familie dargestellt. Sie lebt in einem sehr abgeschotteten jüdischen Umfeld. "Liberty Heights" beleuchtet vor allem die vielschichtigen Erfahrungen um die (Liebes-) Geschichte des jüngsten Sohnes Ben (Ben Foster). In seiner Highschool werden die ersten schwarzen Schüler integriert. Ben verliebt sich in seine neue farbige Klassenkameradin Sylvia (Rebekah Johnson). Levinson setzt gelungen auf Sylvia als Vertreterin einer "neuen", anderen Welt: Ben lernt bei ihr zu Hause nicht nur das Christentum kennen, sondern er hört auch zum ersten Mal schwarze Musik - natürlich nur, solange ihre Eltern nicht da sind. ...

    Doch die zarten Bande der beiden nehmen mit dem Highschool-Diplom ein abruptes Ende. Ein Kuss - der einzige im ganzen Film - vor der versammelten Elternschaft, und die beiden werden sich nie wieder sehen. Sylvia geht auf ein schwarzes College, Ben auf ein weißes.

    Neben Ben erzählt Levinson in seinem vierten Film über Jugend in Baltimore ("Diner", "Tin Men" und "Avalon") auch von dessen Vater Nate (Joe Mantegna). Illegal betreibt der Besitzer eines schlecht laufenden Striptease-Theaters mit Freunden eine Lotterie, die ihn in große Schwierigkeiten bringt. Und Bens älterer Bruder (Adrien Brody) verliebt sich auf einer Party im christlichen Viertel unsterblich in die blonde Dubbie.

    Der Film vollzieht die Entwicklung eines Jahres nach, als die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen Amerikas zaghafte Ansätze machten, Verständnis für die jeweils anderen aufzubringen und eigene Stärken zu zeigen. Während Ben und seine Freunde zu Beginn des Films noch vor Schildern wie "No Jews, Dogs or Coloreds" zurückschrecken, lassen sie sich am Ende nicht mehr einschüchtern.

    Levinson verstrickt sich im Laufe des Films leider zum Teil in nebensächliche Details. Es hätte "Liberty Heights" sicherlich gut getan, den Blick noch mehr auf die vielschichtige Figur von Ben zu lenken.

    Antje Schmid, dpa

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