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  • Kritik: Jude Law unwiderstehlich als Frauenheld

    Wer sich noch fragt, warum Jude Law kürzlich zum Mann mit dem größten Sex-Appeal gekürt wurde, braucht sich nur «Alfie» ansehen. Dort verführt der 32-Jährige eine Frau nach der anderen, schon mit einem Lächeln oder einem Blick.

    Und bei aller Illusion des Kinos: Jude Law mit seinem unwiderstehlichen jugendlichen Charme kauft man das auch noch sofort ab. Und was für Frauen sind das: Marisa Tomei als attraktive allein erziehende Mutter, Susan Sarandon als schwerreiche Unternehmerin mit Stil und Laws junge Verlobte Sienna Miller als Wirklichkeit gewordenes draufgängerisches Pin-Up-Girl.

    Für Alfie ist das Leben ein einziger Streifzug durch den Pralinenladen der Lust. Obwohl er als Limousinen-Chauffeur in New York nicht viel verdient, weiß er die Frauen zu verzaubern. Doch allmählich bekommt sein Paradies Risse: Alfie ist nicht glücklich. Julie, eine Art «Lieblingsfrau» in seinem kleinen Harem, serviert ihn ab, die grässlichen Worte «erektile Fehlfunktion» tauchen plötzlich am Horizont auf und der Arzt entdeckt bei der Untersuchung auch noch plötzlich einen verdächtigen Knoten. Und dann landet er auch noch nach einer durchzechten Nacht mit der Freundin seines besten Freundes im Bett - mit schwerwiegenden Konsequenzen. Diese Probleme bewältigt Alfie zusammen mit den Zuschauern mit ständigen Bemerkungen in die Kamera - und diese Beziehung erweist sich noch als die dauerhafteste, während die Frauen in seinem Leben ein und aus gehen.

    Obwohl ein Remake des gleichnamigen 60er-Jahre-Klassikers, ist der neue «Alfie» ein ganz anderer Film geworden. Der Grund dafür liegt in der Schauspielkunst von Jude Law und dem seither drastisch veränderten Selbstverständnis von Männern und Frauen. Der junge Michael Caine spielte in «Der Verführer lässt schön grüßen» vor genau 40 Jahren einen zynischen und herzlosen Egoisten, der Frauen aus Überzeugung wie Dreck behandelt. Der Alfie von Law ist ein im Grunde netter und sympathischer Kerl, der eigentlich keinem wehtun will und selber leidet, wenn er jemandem das Herz bricht - aber die Gier nach Spaß und Neuem ist dann doch jedes Mal stärker.

    Vor allem aber sind die Frauen anders geworden. Waren sie im alten «Alfie» noch putzende, kochende, bügelnde Opfer der männlichen Eroberungsdrangs, sind es jetzt selbstbewusste, schöne, starke Wesen, die einen Mann locker selber in die Opfer-Rolle bringen können.

    Regisseur Charles Shyer («Der Vater der Braut») hat einen schönen, spritzigen Film gemacht, mit eleganten Bildern, die im Gedächtnis haften bleiben, einen dieser Streifen, die man aus dem Kinosaal im Kopf mit nach Hause trägt. Der Film habe eine moralische Botschaft, dass man nicht auf Kosten anderer Spaß haben sollte, sagt Shyer. Auch wenn Law mit seiner attraktiven Casanova-Art diese Message kräftig untergräbt. In Amerika allerdings floppte «Alfie» kläglich und spielte mit 13 Millionen Dollar nicht einmal ein Viertel der geschätzten Produktionskosten ein.

    Wer den Eindruck hat, er sehe gerade ziemlich viel Jude Law im Kino, hat recht. Ganze fünf Filme mit ihm flimmerten binnen weniger Monate über die Leinwand. Das brachte den diesjährigen Oscar- Gastgeber Chris Rock dazu, spöttisch zu fragen: «Wer ist eigentlich dieser Jude Law, dass er in jedem Film ist, den ich gesehen habe?» Allerdings kann der Schauspieler selbst nicht viel für diese Inflation: Gedreht hat er die Filme innerhalb von zwei Jahren, nur die Starttermine fielen zusammen.

    Das Image eines Sex-Symbols und der Star-Rummel hinterlassen Law immer noch etwas ratlos. «Es ist als würde man auf den Bus warten und plötzlich kommen vier», sagt er. Immerhin wurde er bei den Oscars als einziges von Chris Rocks Spott-Opfern von Kollegen in Schutz genommen. «Er ist einer der feinsten Schauspieler, die wir haben», beantwortete Hollywoods Polit-Rebell Sean Penn die rhetorische Frage von der Bühne.

    dpa

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