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  • Kritik: Jon Turteltaubs philosophierendes Kinodrama

    Es ist schon ein ganz außergewöhnlicher Mann, der da unter schärfster Bewachung aus dem afrikanischen Urwald in ein amerikanisches Hochsicherheitsgefängnis übergeführt wird: Denn der zweier Morde beschuldigte Häftling ist der brillante Anthropologe und Affenforscher Dr. Ethan Powell.

    Seit mehreren Jahren hatte Powell in Ruanda, wo er Berggorillas studiert hatte, als verschollen gegolten. Doch als einheimische Wilderer ein Massaker an den vielbedrängten menschlichen Verwandten anrichten, wird in der Horde auch ein Mann mit weißem Bart und langgewachsenen weißen Haaren gesichtet, der in seinem Zorn zwei der Wilderer erschlägt und drei weitere schwer verletzt.

    Der Fall des Dr. Powell, die Ergründung der rätselhaften Verwandlung eines hochintelligenten Wissenschaftlers in das Mitglied einer Berggorillahorde fasziniert natürlich jedes Psychiaterherz. Aber nur der renommierte schwarze Seelenspezialist Theo Clauder bekommt das Privileg, in Gesprächen mit dem Gefangenen dessen Motive zu ergründen, die zu dem schockierendem Verhalten und der tödlichen Attacke geführt haben. Clauder bekommt bald sehr handfest zu spüren, daß er es mit einem unberechenbaren Patienten zu tun hat. Dazu kommt, daß Powell sich völlig verstummt gibt, kein Wort kommt ihm zunächst über die Lippen.

    Doch nachdem der Bärtige sein Schweigen gebrochen hat, begegnet Clauder in philosophisch angehauchten Dialogen nicht nur den Abgründen in Powell, sondern auch denen in sich selbst. Wesentlich angenehmer ist für den Psychiater das Zusammentreffen mit Powells Tochter Lyn, die von ihrem Vater nichts mehr wissen will, aber Teil der folgenden Entwicklung bis zum dramatischen Finale wird. Doch bis es soweit kommt in dem am 15. Juli in den Kinos anlaufenden amerikanischen Spielfilm "Instinkt", ist leider die Luft längst heraus. Das ist bedauerlich für einen im Grunde sehr interessanten Streifen.

    Denn sobald die Szenen im Mittelteil dem Zuschauer offenbaren, daß der von dem britischen Oscarpreisträger Anthony Hopkins gewohnt souverän verkörperte Wissenschaftler keineswegs ein Monster ist, sondern ein zutiefst mit der Kreatur leidender Mensch, verliert der Film sein Geheimnis. Bis zu diesem Zeitpunkt läßt sich vieles vermuten über die Motive Powells, zumal Hopkins lustvoll geschickt mit seinem Image als intellektuelle Bestie Dr. Hannibal Lecter aus "Das Schweigen der Lämmer" spielt. Was danach folgt, ist zäh, moralisch korrekt und deshalb eher langweilig. Daran kann auch die ebenfalls sehenswerte Darstellerleistung von Cuba Gooding Jr., ebenfalls schon mit einem Oscar dekoriert, als Psychiater Caulder nichts ändern.

    Das von Gerald Dipego verfaßte Drehbuch beruht auf Motiven des erfolgreichen Romans "Ishmael" von Daniel Quinn. Der Autor entwickelt in dem Buch einen philosophischen Dialog zwischen einem Mann und einem Gorilla. Das ist natürlich nicht oder nur in sehr kühner, radikaler Weise verfilmbar. Doch damit läßt sich selten viel Geld verdienen. Also wurde "Instinkt" mit bewährter Spannungsdramaturgie und einer ziemlich schrecklichen Musiksauce nur ein etwas anderes Hollywoodfabrikat. Das Publikum in den USA reagiert verhalten auf den von Wolfgang Petersen mitproduzierten Film. Das wird hierzulande nicht anders sein. Turteltaub hat trotz exzellenter Darsteller eine Chance vergeben.

    Wolfgang Hübner, AP

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