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  • Kritik: Johnny Depp mit geheimnisvoller Magie

    Nach den vielen «Peter Pan»-Verfilmungen kommt nun auch sein Schöpfer zu Hollywood-Ehren: «Wenn Träume fliegen lernen» erzählt die Geschichte des schottischen Dramatikers J.M. Barrie, der vor 100 Jahren den fliegenden Jungen erfand, der nicht erwachsen werden wollte.

    Mit Johnny Depp in der Hauptrolle ist der Film einer der großen Oscar-Favoriten. Depp, der sich Hoffnung auf eine goldene Statuette als bester Hauptdarsteller machen kann, strahlt eine geheimnisvolle Magie aus, die Bilder sind schön und poetisch, besonders wenn sich Fantasie und Realität zu vermischen beginnen. Allerdings erfindet der Film eine Entstehungsgeschichte des Kinderbuchklassikers, die es so nie gab.

    Unstrittig ist, dass «Peter Pan» von der Freundschaft Barries mit den Söhnen der Familie Davies inspiriert wurde, für die er sich fantastische Geschichten und Spiele ausdachte. Barrie traf die Kinder bei einem Spaziergang im Park als er bereits über 40 war, und daraus entwickelte sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Hinzu kam eine platonische Beziehung zwischen Barrie, der in einer bröckelnden Ehe mit einer Ex-Schauspielerin unglücklich war, und der Mutter der Jungs, Sylvia, gespielt von Kate Winslet.

    Im Film trifft Barrie die Kinder nach dem Tod ihres Vaters, und erfindet Abenteuer mit Piraten, Cowboys und wilden Tieren, um sie zu trösten. Die Realität war viel komplexer. Tatsächlich war Arthur Llewelyn Davies, ein Anwalt, zu diesem Zeitpunkt noch am Leben. Auch die Premiere von «Peter Pan» 1904 erlebte der Vater der Kinder mit und starb erst 1907 an Krebs. Er akzeptierte den ungewöhnlichen Spielkameraden seiner Kinder und trotz der seltsamen Situation und der unvermeidlichen bösen Gerüchte wurden die Männer sogar Freunde.

    Wie tief die Beziehung Barries zu Sylvia ging, ist unbekannt. Im Film ist es eine unausgesprochene, bis zuletzt unterdrückte Liebe. Der echte James Barrie soll dagegen schon einen Verlobungsring gekauft haben, nachdem sich seine Frau 1909 von ihm scheiden ließ. Sylvia starb jedoch im Jahr darauf - allerdings war sie anders als im Film zur «Peter Pan»-Premiere noch nicht todkrank. Und während auf der Leinwand immer vier Davies-Kinder zu sehen sind - als Barrie sie traf, waren es in Wirklichkeit nur drei; von insgesamt fünf.

    Regisseur Marc Forster ist sich der historischen Verzerrungen bewusst. Er habe aber einen Film darüber drehen wollen, wie aus einer innigen Beziehung ein Meisterwerk entstand, und dabei sei es nicht um vollständige historische Faktentreue gegangen, sagt er. Forster versucht, das Geheimnis der Inspiration zu lüften. So fliegen die in ihren Betten hüpfenden Jungs in Barries Vorstellung schwerelos aus dem Kinderzimmer-Fenster und Sylvias nörgelnde Mutter, gespielt von Julie Christie, verwandelt sich für ihn in den Piraten-Kapitän Hook.

    Der 35-jährige Forster wurde in Deutschland geboren und wuchs in der Stille eines Schweizer Bergdorfs ohne Fernsehen auf. Zum gefragten Mann in Hollywood wurde er 2001 mit dem düsteren Drama «Monster's Ball», das Halle Berry einen Oscar brachte. Im neuen Film fällt der 12-jährige Freddie Highmore als ernster, verwundbarer Peter Davies auf.

    Höhepunkte von «Finding Neverland», «Auf der Suche nach Nimmerland», wie der Film im Original heißt, sind die Momente, in denen Barrie und die Kinder in ihre erfundenen Welten eintauchen. «Johnny war der größte Kindskopf von allen», sagt Winslet über ihren Kollegen. Für ein ehrliches Lachen der Kinder in einer Szene am Mittagstisch versteckte er heimlich eine Furz-Maschine. Mit Rücksicht auf die strengen Sitten der Epoche muss Depps Temperament aber gezügelt worden sein. Selbst als Pirat wirkt er im Vergleich zum Funken sprühenden Spiel im «Fluch der Karibik» wie gezähmt. Allerdings wurde der Barrie-Film 2002 noch vor dem Karibik-Abenteuer gedreht, eine neue «Peter Pan»-Verfilmung bekam aber Vortritt.

    Ein Spross der Davies-Familie bekam eine kleine Ehrenrolle im Film: Die Frau, die Peter am Ende des Films fragt, ob er das Vorbild für Peter Pan gewesen sei, ist die Tochter des jüngsten Sohnes, Nico, und Barries Patenkind. Die Frage nach seinem fliegenden Namensvetter verfolgte Peter sein Leben lang, er nannte «Peter Pan» ein «schreckliches Meisterwerk», mit 63 brachte er sich um. Sein Bruder George wurde im Ersten Weltkrieg getötet, Michael ertrank mit 20 in Oxford. «Peter Pan»-Produzent Charles Frohman, gespielt von Dustin Hoffman, starb als ein deutsches U-Boot 1914 den Ozeandampfer «Lusitania» versenkte. Hoffman wurde vom Dreh schwer gezeichnet: Er verlor eine Fingerkuppe, als ein Stuhl unter ihm zusammenklappte. Mit starken Schmerzmitteln spielte er jedoch weiter.

    dpa

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