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  • Kritik: Johnny Depp glänzt dunkel

    Ein Schauspieler wie Johnny Depp kann schon allein einen Film sehenswert machen. Der Thriller «Das geheime Fenster» wäre ohne ihn eine solide, aber eher fade Stephen-King-Verfilmung. Doch Depp ist da und rettet den Tag, indem er alle Facetten seines immensen Könnens spielen lässt.

    Der 40-jährige Superstar spielt Mort Rainey, einen einst erfolgreichen Schriftsteller, der nach der Untreue seiner Frau in das Wochenendhäuschen im Wald zieht und dort heruntergekommen den aussichtslosen Kampf gegen eine betonharte Schreibblockade führt. Eines Tages steht aber ein Fremder vor der Tür, der ihn ohne Umschweife beschuldigt, seine Geschichte gestohlen zu haben, und Wiedergutmachung fordert. Das anfängliche Achselzucken vergeht Rainey als er feststellt, dass der von diesem Mann mit dem Namen John Shooter mitgebrachte Text tatsächlich mit seinem eigenen identisch ist.

    Shooters Drohungen werden unterdessen immer heftiger und er erweist sich als brutal und unberechenbar. John Turturro wirkt im strengen schwarzen Kostüm eines Mississippi-Farmers mit breitem Hut wirklich bedrohlich. Und die in bester Hitchcock-Manier inszenierten Schreck-Momente sowie die detailliert durchgeplanten Bilder und Kameraführung lassen mit Mort Rainey um sein Leben und das seiner Frau bangen. Der Film ist ein reiner Psycho-Thriller und hat viel weniger Mystik als der Name von Stephen King vermuten ließe.

    Depp irrt die meiste Zeit ungekämmt in einem verwaschenen gestreiften Bademantel durchs Haus und erregt Mitleid und Sympathie, auch wenn man nie sicher ist, ob er nicht doch ein Plagiator ist. Es sind aber vor allem die vielen exzentrischen Details, mit denen er seine Figur zum Leben erweckt und den Film unterhaltsam macht. Diese Prise Wahnsinn und subversiver Energie, die ihm schon die Oscar-Nominierung für die Rolle von Piraten-Kapitän Jack Sparrow im «Fluch der Karibik» einbrachte, siedelt er auch in Mort an.

    Regisseur David Koepp kennt sich mit dem Schriftsteller-Alltag aus, da er auch einer von Hollywoods erfolgreichsten Drehbuch-Autoren ist. Er schrieb die Vorlagen für Kassenschlager wie «Jurassic Park», «Spider Man», «Mission: Impossible», «Panic Room» oder auch die schwarze Komödie «Der Tod steht ihr gut». So konnte er Depp für die Rolle ausgiebig beraten und statt der sprichwörtlichen Casting-Couch gab es bei ihm ein Casting für die Couch, bei dem er persönlich durch Probeliegen das Möbelstück aussuchte, auf das sich Mort in seinen kreativen Krisen flüchtet. «Ich kenne keinen Schreiber, der nicht eine wichtige Couch für ein Nickerchen sein eigen nennt», sagt er selbst.

    Bei all seinen Erfolgen als Drehbuchautor tat es sich Koepp als Regisseur schwer. Seinen ersten Versuch «Der große Stromausfall» setzte er 1996 trotz eines Budgets von 50 Millionen Dollar und Starbesetzung in den Sand. «Das geheime Fenster» brachte dagegen schon nach einem Monat in den US-Kinos Gewinne. Einige Kritiker und Filmfans vergraulte der Film allerdings mit seinem Ende. Die Auflösung des Rätsels ist tatsächlich nicht sonderlich originell geraten und erinnert gleich an mehrere andere Filme.

    dpa

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