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  • Kritik: John Sayles neuer Film

    Was wissen wir über Alaska? Riesengroß, rauh, kalt, Ölreichtum, endlose Wälder, US-Bundesstaat und nicht viel mehr. Aber es verbinden sich keine Geschichten, keine Persönlichkeiten mit Alaska. Nach 123 Minuten in dem Film "Wenn der Nebel sich lichtet" des eigenwilligen amerikanischen Filmemachers John Sayles wird sich das geändert haben.

    Denn dann werden wir die anziehende Sängerin Donna, ihre mürrische Tochter Noelle und den melancholischen Fischer Joe kennengelernt haben. Und das Kino mit einer Geschichte verlassen, die wie ein Sog wirkt und nachwirkt.

    Wer sich für diesen Film entscheidet, wird danach viel mehr über Alaska wissen und was es bei den Menschen bewirkt, die aus den verschiedensten Gründen dort im unwirtlichen Nordzipfel der Vereinigten Staaten gelandet und gestrandet sind. Regisseur Sayles, der auch das Drehbuch schrieb, erzählt die Geschichte von drei Menschen, die in der Wildnis Alaskas die Prüfung ihres Lebens - auf Leben und Tod - erwartet. Zuvor aber findet sich ein Paar, das schon viele Enttäuschungen wie Niederlagen wegstecken musste und nicht ohne Zögern eine abermalige Liebesbeziehung wagt.

    Donna, die nie das Glück hatte, mit ihrer guten Stimme entdeckt und gefördert zu werden, kennt sich mit Männern aus, aber leider nicht mit den richtigen. Darunter leidet insbesondere ihre sensible Teenager-Tochter Noelle, die das Leben sowieso schwierig findet. Sie schwärmt für den viel älteren, ebenso ruhigen wie sympathischen Joe. Den hat einst ein tragischer Bootsunfall aus der Bahn geworfen. Jetzt arbeitet er für ein lesbisches Paar, das Veranstaltungen organisiert. Sayles zeigt die Annäherung zwischen Joe und Donna behutsam, mit langen Szenen. So werden die Gefühle, aber auch die Ängste der beiden nachvollziehbar.

    Das Auftauchen von Joes windigem Halbbruder Bobby leitet in dem dem bis dahin angenehm unaufgeregten Film, aus dem viel zu erfahren ist über die gesellschaftliche und ökonomische Situation im einst von den Russen abgekauften Alaska, die dramatische Endphase ein. Denn Bobby schuldet Drogenhändlern viel Geld, das er nicht mehr hat. Und die machen gnadenlos Jagd auf ihn. Eine gemeinsame Bootsfahrt der Brüder und von Mutter und Tochter endet mit einer Katastrophe: Bobby wird erschossen, die anderen drei können sich in letzter Minute auf eine einsame Insel retten. Für sie geht es jetzt nur noch ums reine Überleben, getrieben von der verzweifelten Hoffnung auf Rettung.

    Sayles hat sich für einen grandios überraschenden Schlusseffekt entschieden, der indessen sehr plausibel ist. Nicht nur das unterscheidet "Wenn der Nebel sich lichtet" geradezu himmelweit von der geläufigen Hollywood-Produktion. Es ist auch das intensive Spiel der Schauspieler wie Mary Elizabeth Mastrantonio als Donna und David Strathairn als Joe. Sie zeichnen realistische Leinwandfiguren, die nicht gleich beim Verlassen des Kinos vergessen sind. Auch Vanessa Martinez als Tochter Noelle trägt zu einem Film bei, der hoffentlich sein Publikum finden wird. Sayles ist nicht erst seit diesem Streifen ein bedeutender Filmemacher mit ganz eigener Handschrift. Aber er hat seinen guten Ruf eindrucksvoll bestätigt.

    Wolfgang Hübner, AP

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