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  • Kritik: Joachim Krol in "Stunde des Lichts"

    Er ist kein strahlender Held, kein Siegertyp. Er spielt kauzige, schwierige Figuren, Männer mit Problemen und Komplexen. Mit seiner unschuldigen, immer etwas verloren wirkenden Ausstrahlung wurde Joachim Krol in den vergangenen Jahren zu einem der gefragtesten deutschen Filmschauspieler.

    In jeder Rolle, ob Komödie oder Drama, umgibt ihn eine fast kindliche Sehnsucht nach Liebe, nach Wärme. Und damit ist Krol die Idealbesetzung für den so einsamen wie einfachen Trapper Lars, der in "Die Stunde des Lichts" im Eis von Spitzbergen lebt. Der Film des belgischen Regisseurs Stijn Coninx ist ein Abenteuer für Erwachsene, eine ungewöhnliche Liebesgeschichte und ein Wintermärchen der besonderen Art.

    "Die Dreharbeiten waren wirklich extrem", berichtet Krol. "Diese Kälte, diese Dunkelheit, Probleme mit der Technik, eingefrorene Kameras. Dabei lebten wir auf ganz engem Raum zusammen. Daß der Film wirklich fertig wurde, ist fast ein Wunder." Krol hat bisher zwar oft Rollen jenseits der sogenannten Normalität gespielt, ob als schwuler Norbert in "Der bewegte Mann", als scheuer Superautor in "Rossini" oder als spleeniger Eisenbahnfan in "Zugvögel - Einmal nach Inari". Doch die Wochen bei 30 Grad Minus und Schneestürmen in der Eiswüste waren für den 41jährigen Familienvater "eine echte Grenzerfahrung".

    Erzählt wird "Die Stunde des Lichts" freilich nicht aus der Perspektive von Lars (Krol), sondern aus dem Blickwinkel der Studentin Ellen (Francesca Vanthielen), die der städtischen Routine entfliehen will, um als Gast bei einem ihr völlig unbekannten Trapper den Polarwinter als großes Abenteuer zu erleben.

    Doch der Mann, den sie in der schroffen Eiswelt trifft, ist nicht der bärenstarke Überlebenskünstler, den sie erhofft hat. Nein, Lars ist kein nordischer Held, sondern ein extrem wortkarger, schmuddeliger, unbegabter, stinkender Eigenbrötler und sogar unter den Trappern und Pelzjägern der Verlierer.

    "Lars ist ins Eis gegangen, weil er absolut nicht zu verlieren hatte", meint Krol. "Wenn ich in der Stadt unter vielen Menschen einsam bin, erscheint das als krank. Aber wenn ich in der Einsamkeit einsam bin, dann ist das normal." Lars verspricht sich vom Besuch der jungen Frau schlicht etwas Sex und Wärme. Ellen ist verzweifelt, aber sie bleibt. Die beiden müssen erst einen stillen, dunklen und gefährlichen Winter überstehen und sehr viel voneinander lernen, bis sie miteinander lachen können. In der "Stunde des Lichts", beim wunderbaren ersten Sonnenaufgang nach vier Monaten, ist dann das Eis zwischen ihnen gebrochen. Die Liebe verändert alles.

    Die europäische Koproduktion bietet eine interessante, emotionale Geschichte inmitten einer fantastisch schönen und bedrohlichen Landschaft. Und so ganz nebenbei kann der Film auch jenen Winterhassern ein kleiner Trost sein, die jedes Jahr aufs Neue glauben, die dunkle Jahreszeit nehme überhaupt kein Ende mehr.

    Karin Zintz, dpa

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