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  • Kritik: Jeroen Krabbes mehrfach preisgekröntes Regiedebüt

    Von den Opfern des Holocaust hat im Kino zuletzt Roberto Benigni in "Das Leben ist schön" meisterhaft berichtet. Wie aber gehen die Kinder, wie geht die zweite Generation mit den Gräueltaten um, die ihren Eltern angetan wurden?

    Der niederländische Schauspieler Jeroen Krabbe hat sich an dieses schwierige Thema gewagt. In seinem mehrfach preisgekrönten Regiedebüt "Kalmans Geheimnis" macht er aus einer Romanvorlage seiner Landsfrau Carl Friedmann ein dichtes, anrührendes Familiendrama. Der unter anderem mit Isabella Rossellini hochkarätig besetzte Streifen ist ein eindringliches Plädoyer gegen Vergessen und Vorurteile.

    Der Film, im Original "Left Luggage" (Verlorenes Gepäck), erzählt von einer jungen Philosophiestudentin, die widerwillig bei einer chassidischen Familie als Kindermädchen jobbt. Chaja findet die strenggläubigen Juden mit ihrer strikten Lebensweise, ihrer Weltabgewandtheit und den altüberkommenen Ritualen eigentlich lächerlich, aber sie braucht das Geld.

    Durch ihre Liebe zu dem fünfjährigen Sohn der Familie findet Chaja schließlich einen Weg zum Verständnis der fremden Welt - und bekommt so auch einen neuen Blick für das Schicksal ihrer Eltern, die als Überlebende des Holocaust ihre je eigene Art der Verdrängung entwickelt haben.

    "Mich hat die Botschaft fasziniert, wie man durch gegenseitiges Aufeinander-Zugehen Vorurteile überwindet", sagt Rossellini im dpa- Gespräch in München. Die Tochter des italienischen Regisseurs Roberto Rossellini und der Schauspielerin Ingrid Bergmann, spielt in der Geschichte die strenggläubige, überforderte Mutter von fünf kleinen Kindern.

    "Ich habe erst Angst gehabt, dass die Menschen mir die Rolle nicht abnehmen, weil sie mein Leben zu sehr mit Glanz und Glitter verbinden", sagt das in New York lebende Starmodel. Dabei verleiht die Italienerin ihrer Rolle eine so wunderbar unaufdringliche Präsenz, dass auch die anderen Figuren ihren Raum erhalten. Eine vielversprechende Neuentdeckung neben Filmgrößen wie Maximilian Schell und Marianne Sägebrecht ist die schottische Schauspielerin Laura Fraser, 23, als lebenslustige Chaja.

    Seinen authentischen Charakter bekommt der Film durch eine liebevoll-präzise Inszenierung. Gedreht wurde im belgischen Antwerpen, wo es noch eine geschlossene chassidische Gemeinde gibt. Und der fünfjährige Hauptdarsteller Adam Monty kam aus einem jüdischen Londoner Kindergarten - nur die Löckchen vor den Ohren mussten angeklebt werden.

    Für Regisseur Krabbe bedeutete die Arbeit auch ein Stück eigene Vergangenheitsbewältigung: Seine Familie war unter Hitlers Schreckensherrschaft deportiert und umgebracht worden. Auf der Berlinale hatte "Kalmans Geheimnis" schon im vergangenen Jahr beim deutschen Publikum ein besonderes Echo gefunden. "Egal, ob deine Eltern die Ermordeten sind oder die Killer", sagt Krabbe, "du musst immer die gleiche Art von Reise machen: Du musst das Gepäck loswerden, weil es nicht dein eigenes ist, sondern das deiner Eltern."

    Nada Weigelt, dpa

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