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  • Kritik: "Jenseits der Stille":

    Hamburg (dpa) - Außer mehr oder weniger intelligenten Komödien hatte der deutsche Film in diesem Jahr kaum etwas zu bieten. Doch nun setzt die junge Regisseurin Caroline Link zum Jahresabschluß ein leises, ernstes und beeindruckend schönes Werk gegen den Trend. "Jenseits der Stille" erzählt die Geschichte einer Tochter gehörloser Eltern, deren Weg ins Erwachsenenleben ausgerechnet von der Liebe zur Musik geprägt wird. Wunderbare Schauspieler und ruhige, starke Bilder machen den Film zu einem besinnlichen Winter-Erlebnis.

    "Welches Geräusch macht Schnee, wenn er auf die Wiese fällt?"; "Wie klingt der Sonnenuntergang?" Die kleine Lara muß ihren Eltern schon früh die Welt des Klangs erklären. Bei fast allen Außenkontakten sind Vater und Mutter abhängig von ihrer hörenden und sprechenden Tochter, die ihnen alles in Gebärdensprache übersetzt. Umso härter trifft es die Eltern, als Lara von ihrer Tante, einer temperamentvollen Musikerin, eine Klarinette geschenkt bekommt und die Dimensonen jenseits der Stille ihres Elternhauses für sich entdeckt.

    Lara begeistert sich für die melancholische jüdische Klezmer- Musik, eine Leidenschaft, die die Eltern nicht verstehen, mit ihrer Tochter nicht teilen können. Der ganz normale Ablösungsprozeß der Kinder von ihren Eltern - bei Lara verläuft er hochdramatisch. Verzweifelt, wütend, autoritär und eifersüchtig versucht ihr Vater, sie vom Musikstudium bei der Tante in Berlin abzuhalten. Doch Lara zieht in die Großstadt, sucht und findet ihren Weg.

    Caroline Link, die auch das Drehbuch zu "Jenseits der Stille" geschrieben hat, schildert die Konflikte und Entwicklungen ihrer Figuren mit ruhiger Hand und ganz ohne Betroffenheits-Kitsch oder Behinderten-Melodramatik. Tatjana Trieb und Silvie Testud verkörpern Lara als Mädchen und junge Frau mit unverbrauchter Frische. Doch vor allem die gehörlosen Schauspieler Emmanuelle Laborit und Howie Seago hinterlassen als Laras Eltern bleibenden Eindruck. Mit sensibler Mimik und tanzenden Händen entfalten sie eine große Würde und Intensität, drücken mehr als Worte aus.

    Es sind jene Momente der Stille, des stummen Ausdrucks, die Spannung erzeugen und faszinieren. Laras Eltern in zärtlichem Dialog oder eine ganze gehörlose Gemeinde mit flatternden Fingern beim anmutigen "Singen" eines Chorals in der Kirche: Diese Szenen stoßen ein Fenster auf in eine fremde Welt. "Es gibt einen Unterschied zwischen Hören und Verstehen", sagt Laras Vater am Ende in der Sprache seiner Hände zu seiner Tochter. Und "Jenseits der Stille" schafft es ohne großes Getöse, diesen Unterschied greifbar zu machen und letztlich aufzulösen.

    Von Karin Zintz, dpa

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