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  • Kritik: Jeanne Moreau auf den Spuren von Marguerite Duras

    Am Anfang waren die Worte. Ein junger Literaturstudent aus der Provinz entdeckt eine Autorin, liest buchstäblich jede Zeile von ihr, ist hingerissen von diesem Werk. Dann schreibt er seiner sehr berühmten Angebeteten täglich mehrere Briefe, über fünf Jahre lang. Schließlich treffen sich beide in einem Seebad in der Bretagne und verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Sie werden sich nie mehr trennen.

    Dies ist nicht die Inhaltsangabe einer Rosamunde-Pilcher- Schmonzette, sondern eine wahre Geschichte - die weltberühmte Autorin war Marguerite Duras (1914-1996), der Student und Liebhaber hieß Yann Andrea. Ihre unerhörte Beziehung dauerte 16 Jahre, vom Anfang der achtziger Jahre bis zum Tod der Autorin.

    Ein Film wie ein impressionistisches Gemälde

    Auf dieser wahrlich heiklen "Amour fou" basiert Josée Dayans gewagtes Melodram "Diese Liebe" - mit der faszinierenden Jeanne Moreau in der Rolle der alternden Dichterin, die sich noch einmal den Wonnen und Leiden des Verliebtseins hingibt. Dabei kommt es in diesem durchaus wortreichen Film über eine literarische Wahlverwandtschaft nicht so sehr auf die eher konventionelle Handlung an, sondern auf die atmosphärischen Schwankungen, die seismografischen Erkundungen in unwegsamen Gefühlslandschaften. "Der Film erzählt keine chronologische Geschichte, er ist eher ein impressionistisches Gemälde", so die Regisseurin.

    Höhenflüge und tiefe Stürze

    Es kommt also nicht zuletzt auf das Licht an. Im Juli fährt Yann Andrea (Aymeric Demarigny) nach Trouville, um seine Marguerite zu treffen. Die melancholische Autorin hat sich in ihr Hotelzimmer verkrochen, die Jalousien sind zugezogen, sie arbeitet in einem "schwarzen Zimmer". Langsam kommen die Farben zurück, das Meer und der Strand. Wie junge Verliebte tollen die beiden umher, tanzen, hören Schlager, betrinken sich. Auf den emotionalen Höhenflug folgen Phasen der Konzentration. Yann wird ihr Sekretär. Sie diktiert, er schreibt mit, und so gewinnen sie, Satz für Satz, wieder festen Boden unter den Füßen. Aber der Absturz lässt sich mit Worten allein nicht aufhalten. Marguerite verfällt mehr und mehr dem Alkohol, landet schließlich in der Entzugsklinik. Ohne ihren Yann wäre sie längst untergegangen. Die verrückt anmutende Hingabe dieses Studenten ist ihr Rettungsanker. Immer wieder.

    Die sehnsuchtsvolle Musik ist einfach unwiderstehlich

    In vielen Szenen verströmt dieser in Cinemascope gedrehte Film eine seltsam traumartige Atmosphäre - nicht zuletzt auf Grund des betörenden Soundtracks von Angelo Badalamenti. Der Hauskomponist von Regisseur David Lynch ("Straight Story", "Mulholland Drive") hat wieder einmal ganze Arbeit geleistet, die sehnsuchtsvolle Musik zu dieser komplizierten, bisweilen hemmungslos verstiegenen Love Story ist einfach unwiderstehlich.

    Keine Alterweltsrolle für Jeanne Moreau

    Natürlich ist "Diese Liebe" vor allem ein großer Auftritt für die 1928 geborene, große französische Schauspielerin Jeanne Moreau, die sich mit Haut und Haaren dieser Geschichte verschrieben hat. Man spürt in jeder Sequenz, die Rolle der Duras war für Jeanne Moreau keine Allerweltsrolle, sondern eine Herzensangelegenheit.

    Johannes von der Gathen, dpa

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