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  • Kritik: Japans Comic-Helden erobern den Westen

    Bald: "Sen to Chihiro no kamikakushi"

    Während man in Deutschland über eine "Leitkultur" diskutiert, sind die Kleinen bereits längst "Pokemon"-infiziert. Mit dem deutschen Kinostart von "Prinzessin Mononoke" (japanisch: "Mononokehime") dürfte das Anime-Fieber auch unter den Erwachsenen um sich greifen.

    Mit "Mononokehime" brach Hayao Miyazaki 1997 in Japan bereits in kurzer Zeit alle Rekorde und überflügelte sogar Steven Spielbergs "Jurassic Park". Miyazaki, Ikone der zeitgenössischen japanischen Anime-Kunst, geht es in dem von japanischen Cineasten als Meisterwerk gefeierten Film um die Konfrontation von Natur- und Menschenwelt. Die Wesen der Natur leisten den Menschen, die einen heiligen Urwald abholzen wollen, erbitterten Widerstand. Das in der Zeit des japanischen Mittelalters angesiedelte Melodram versteht sich als Aufruf an die heutige Industriegesellschaft, die Natur zu achten.

    Die Erfolgsstory der japanischen Anime-Filmindustrie geht für "Mononokehime"-Produzent Toshio Suzuki auf die Herausforderung aus Hollywood bei "realen" Kinofilmen zurück. "Als immer mehr Hollywood- Filme nach Japan gelangten, gerieten die Produzenten japanischer Kinofilme in finanzielle Probleme", erläutert Suzuki im Gespräch mit dpa in Tokio. "Egal wie sie sich anstrengen, sie können Hollywood- Filme nicht schlagen." Um Hollywood etwas entgegenzusetzen, sei man auf die Animationstechnik gekommen. Damit lassen sich Handlungen darstellen, die in Filmen mit "echten Menschen" nur mit sehr viel Geld und Aufwand oder auch gar nicht zu realisieren sind.

    Mit "Uchu Senkan Yamato" (Raumschlachtschiff Yamato) habe Ende der 70er Jahre der Anime-Boom in Japan begonnen. Bereits zuvor hatte sich der Begründer der japanischen Comic-Kunst Manga, Osamu Tezuka, nach dem Zweiten Weltkrieg anfangs von amerikanischen Filmen und Disney inspirieren lassen, bevor sich die Comics dann später ständig weiter entwickeln sollten. Heute gibt es Manga und ihr tricktechnisches Pendent Anime in Japan für alle Altersgruppen und Lebenslagen.

    Doch so wie die Bedeutung des japanischen Real-Kinos nach dem Tod der Altmeister Akira Kurosawa und Yasujiro Ozu nachgelassen habe, so werde auch die Zeit der Comics und Zeichentrickfilme an ein Ende gelangen, meint "Mononokehime"-Produzent Suzuki. "Heute verkaufen sich Manga nicht mehr so gut. Besonders Mädchen lesen sie wenig. Sie werden in der Schule ausgelacht, wenn sie Comics lesen." Gehörte früher das Bild von in Comics versunkenen Japanern in der Bahn zum gängigen Japan-Klischee, so tun dies heute meist nur noch ältere Leute zwischen 40 und 50. Viele der Jüngeren spielen lieber mit Handys.

    Unterdessen produziert Miyazaki schon einen neuen Film in den berühmten Trickfilmstudios "Ghibli". Der Streifen "Sen to Chihiro no kamikakushi" handelt von einem Mädchen, das in der modernen Welt unglücklich ist, und sich erst wohl fühlt, als sie in die Welt des alten Japan gerät. Auch hier also geht es - bei Anwendung modernster Trick-Technik - offensichtlich um eine Kritik der technikbesessenen japanischen Moderne. "Disney möchte auch diesen Film ins Ausland bringen", verrät Suzuki. "Es heißt, Japan sei nun ein Boom."

    Lars Nicolaysen, dpa

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