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  • Kritik: James Bond für die Internet-Generation

    Im Smoking und mit einem gepflegten Martini in der Hand hat James Bond jahrzehntelang stilvoll das Genre des Agententhrillers definiert. Das war damals. Jetzt bekommt der Geheimagent ihrer Majestät Konkurrenz aus Amerika, von Xander Cage, Codename "XXX - Triple X" - glatzköpfiger Extremsportfanatiker, ganzkörpertätowierter Rebell und Agent wider Willen.

    Jeder gute Agentenfilm braucht einen gemeinen Bösewicht. Yorgi (gespielt von dem Australier Marton Csokas) ist der Anführer einer Terroristengruppe in Prag. Die will ganze Städte mit Giftgasanschlägen ausradieren. Das Ende der Welt naht, in schnellen Schritten. In seinem Bemühen, die Gruppe zu infiltrieren, verliert der US-Geheimdienst einen hoch trainierten Top-Spion nach dem anderen. Die Welt hat sich verändert, die gute alte 007-Masche kann gegen die Schreckensgestalten der Gegenwart nichts mehr ausrichten.

    Xander Cage (Vin Diesel) ist im wahrsten Sinne des Wortes cooler als die Polizei erlaubt. Adrenalin und Anarchie sind bei diesem Mann Programm. Extremsituationen sind der Grund, warum er morgens aus dem Bett steigt. Er spielt Katz und Maus mit der Polizei, crasht den gestohlenen Corvette eines Kongressabgeordneten durch das Gitter einer 200 Meter hohen Brücke und katapultiert sich per Fallschirmsprung in Sicherheit. Den Stunt verkauft er anschließend als Video im Internet, denn in der Szene ist Cage eine Kultfigur.

    Glatzkopf mit akutem Mangel an Autoritätsgläubigkeit

    Den Behörden ist der Glatzkopf mit akutem Mangel an Autoritätsgläubigkeit ein Dorn im Auge. So lange jedenfalls, bis Agentenführer Augustus Gibbons (Samuel L. Jackson) auf die Idee kommt, sich Cages Qualitäten zu Nutze zu machen. Die Organisation stellt den Anarchisten vor die Wahl: arbeite für uns oder verrotte hinter Gittern. Widerwillig wählt der die erste Variante. Großmaulig schleicht er sich in die inneren Zirkel des Terrors ein. Nur Yorgis Freundin, gespielt von der Italienerin Asia Argento, misstraut dem Spiel. Doch zwischen den Zeilen rotznäsiger Wortgefechte bahnt sich schnell Liebe an.

    Vin Diesel - plötzlich in der Riege der großen Actionstars

    Vin Diesel gelingt es, einen Anti-Helden zu kreieren, den man bei seinem Wettlauf mit dem Tod gerne anfeuert. Xander ist kein netter Kerl, sondern ein Ganove, der zufällig auf der richtigen Seite des Gesetzes gelandet ist. Man mag ihn trotzdem oder gerade deswegen, weil Diesel seiner Figur genau die richtige Mischung aus knallharter Selbstgerechtigkeit und jungenhaftem Charme gibt.

    "XXX - Triple X" katapultiert Diesel zweifelsohne in die Riege der Action-Stars vom Kaliber eines Schwarzenegger oder Stallone. Der 35- jährige New Yorker nimmt es als Kompliment. "Ich finde, dass die beiden viel zum Kino beigetragen haben. "Rocky" ist einer der besten Filme, die je gemacht wurden. Und Arnold hat vor zehn Jahren mit "True Lies" einen der besten Spionagefilme hingelegt."

    Glaubwürdigkeit bleibt manchmal auf der Strecke , na und?

    Dass es mit der Glaubwürdigkeit manchmal hapert, wenn der Superspion etwa einer Lawine entrennt oder auf einem als Skateboard zweckentfremdeten Kellnertablett Treppengeländer herunterrast, bleibt im rasend schnell zusammengeschnittenen Eifer des Gefechts fast unbemerkt. "XXX - Triple X" ist Action pur und will auch gar nichts anderes sein: Ein explosives Potpourri aus Kampf und Intrige, unterlegt mit einem pulsierenden Soundtrack aus Rap, Punk und Heavy Metal; James Bond für eine abgeklärte, zynische Generation.

    Keine Kriegserklärung an James Bond

    Regisseur Rob Cohen versteht seinen Film nicht als eine Kriegserklärung an die seit vier Jahrzehnten bewährte Agentenfilmreihe, sondern vielmehr als einen Tribut. "Ich hatte einige meiner wichtigsten Kinoerlebnisse, während ich Sean Connery zugeschaut habe", sagt Cohen. "Wenn ich nur einen Bruchteil dessen, was mir Bond gegeben hat, an eine neue Generation zurückgeben kann, dann würde mich das sehr glücklich machen."

    An der Fortsetzung wird schon gearbeitet

    Und so ist auch die Schlussszene eine Hommage an 007. Xander Cage aalt sich in einem tropischen Inselparadies, eine Bikinischönheit an seiner Seite, den Boss am Telefon. Wird er einen weiteren Job annehmen? Selbstverständlich. Regisseur Cohen und seine Crew arbeiten bereits an einer Fortsetzung.

    Anna-Barbara Tietz, dpa

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