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  • Kritik: Jack the Ripper mordet schaurig wie nie

    Kauzige englische Theorie

    Mit großer Geste wartet der Film auf: `Eines Tages wird die Menschheit zurückblicken und sagen, dass ich das 20. Jahrhundert ins Leben gerufen habe." So wird Jack the Ripper am Anfang zitiert. Von ihm gibt es nur einen Brief an die Polizei, den er mit der Absenderangabe `aus der Hölle" versehen hat, und seit einiger Zeit ein Tagebuch, dessen Echtheit noch bezweifelt wird.

    Vielleicht hat dem Serienmörder vor allem die Tatsache, dass man ihn nicht gefasst hat, zu seiner Popularität verholfen. Der Fantasie der Zeitgenossen, die aus der Boulevardpresse von den grausigen Morden erfuhren, gab dieser Umstand jedenfalls viel Nahrung.

    Die Brüder Allen und Albert Hughes, die vor Jahren mit dem hyperrealistischen Gettodrama `Menace II Society" schockiert haben, haben sich als Vorlage für ihren Film den neuen Comic-Roman von Alan Moore und Eddie Campbell ausgewählt. In ihrer Interpretation des grausigen Kriminalfalls lassen sie keine Frage offen, als wollten sie mit `From Hell" den Serienmörderfilm des 21. Jahrhunderts ins Leben rufen.

    Detailversessen haben sie das London von 1888 nachgebaut, und überdeutlich zeigen sie uns die Hölle des armseligen Prostituiertenviertels mit Frauen, die nur ein Zyniker Freudenmädchen nennen kann. Gehetzt von brutalen Zuhältern und ungehobelten Freiern, versuchen sie sich über Wasser zu halten.

    Auch auf der Seite der Ordnungsmacht geht es drunter und drüber. Der für die Aufklärung der Prostituiertenmorde zuständige Inspektor Frederick Abberline (Johnny Depp) muss erst von seinem loyalen Assistenten Godley (Robbie Coltrane, bekannt aus `Auf alle Fälle Fitz") aus einer Opiumhölle geholt werden.

    Den sensiblen Abberline, der sich so gut in die Gedankenwelt eines Täters versetzen kann, hat der Tod seiner Frau aus der Bahn geworfen. Er findet in der irischen Dirne Mary Kelly (Heather Graham) eine empfindsame Frau, die er unbedingt schützen will, und in Sir William Gull (Ian Holm), dem Leibarzt der königlichen Familie, einen wichtigen Helfer, der ihn auf die richtige Spur bringt.

    Dass sich hinter den Schreckenstaten des wahnsinnigen Jack eine Verschwörung des englischen Königshauses verbirgt, ist eine jener kauzigen Theorien, mit denen Engländer gerne von eingefahrenen Gedankenwegen abschweifen. Diese These macht `From Hell" noch nicht so richtig fragwürdig, problematischer sind da schon die drastischen Bilder.

    Der Film tut so, als ob er dem Zuschauer einen Einblick in das kranke Hirn des Mörders geben könnte, wenn er die schiere Gewalt seiner pathologischen Taten, wenn er die grausam zugerichteten Opfer in aller Deutlichkeit zeigt. Das ist aber ein Missverständnis. Denn das Kino ist eine komplexe Illusionsmaschine mit einem `Realteil", den Bildern auf der Leinwand so zu sagen, und einem `Imaginärteil", der sich in den Köpfen der Zuschauer abspielt.

    Ein guter Thriller beachtet diese Verhältnis und lässt immer auch Freiräume für die Vorstellungskraft des Betrachters. `From Hell" dagegen drangsaliert sein Publikum. Am Ende stellt sich die Frage, ob wir im Kino den gefühllosen Blick eines Gerichtsmediziners einüben sollen.

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