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  • Kritik: IWolfgang Stumph brilliert in der Tragikomödie

    In Berlin wird eine Prostituierte zu drei Jahren Haft verurteilt. Um sie freizupressen, entführt ihr ostdeutscher Freund die Richterin. So lernt die Karrierefrau Beate Nelken (Corinna Harfouch) unfreiwillig die sterbenden Landschaften in der Nähe der boomenden Metropole kennen. Ihr Entführer Henning Stahnke (Wolfgang Stumph) bringt sie nämlich zu seiner Mutter, die in einem verlassenen Dorf im Braunkohlerevier wohnt. Der Film "Bis zum Horizont und weiter" von Peter Kahane startet am 28. Januar in den Kinos.

    Als seine Welt noch in Ordnung war, arbeitete Henning mal als Baggerführer im Tagebau "Fortschritt", und am Wochenende spielte er in einer Amateurband die Hits der siebziger Jahre. Seine Mutter (Gudrun Okras) übt sich im Tontaubenschießen und läßt den Schäferhund Postboten jagen. Sie hält die Richterin für die Verlobte ihres Sohnes und bewirtet sie mit Holunderschnaps. Ständig beschwipst, freundet sich die Richterin mit Hennings Mutter an und entwickelt auch für ihren Entführer Sympathien. Sie will dem einfachen, Gerechtigkeit suchenden Mann und seiner Freundin unbedingt helfen: "Ihr könnt bei mir wohnen."

    Hennings Freundin Katja (Nina Petri) entkommt derweil aus eigener Kraft und ist auf dem Weg zu ihm. In Berlin finden Katjas Verteidiger (Heinrich Schafmeister) und ein Kommissar (Jörg Schüttauf) heraus, wer die Richterin entführt hat. Sie frotzeln über das unglaubliche Pech von Henning Stahnke: Als er mal in Urlaub fuhr, wurde er beklaut, als er heimkam, waren auch die Wohnung und der Job weg. Dann mußte die Freundin auf den Strich gehen. "Wir sind raus aus'm Spiel, abgehakt", sagt Henning zur Richterin, und die kontert mit "edle Penner".

    Die Geschichte geht zurück auf ein Hörspiel von Oliver Bukowski, für das sich Wolfgang Stumph begeisterte. Regisseur Peter Kahane gefiel die Tragikomödie auch, weil er eine Schwäche für Geschichten hat, "die auf den Genregrenzen herumbalancieren". Der ehemalige DDR-Bürger Kahane inszenierte ab 1980 eine Reihe von Spielfilmen für die Defa. Seit 1990 vorrangig als Autor tätig, schrieb er unter anderem Folgen für die Fernsehserien "Polizeiruf 110", "Peter Strohm" und "Von Fall zu Fall".

    Es ist ganz nett, wie sich die Berliner Richterin in der ländlichen Kontrastumgebung wiederfindet. Es macht wirklich Spaß, Wolfgang Stumph, der der ganzen Geschichte Saft und Kraft verleiht, als Henning zu sehen. Und in der unterbelichteten, brauntönigen Dorflandschaft kräht ein Hahn, Singvögel zwitschern. So mancher Witz ist gelungen, zum Beispiel, daß die Richterin ihre Doktorarbeit über das Verhalten von Geiselnehmern schrieb.

    Aber die Geschichte, die auch große Gefühle nicht scheut, kennt ihre Grenzen nicht, selbst nicht die auch der gutmütigsten Zuschauer. Henning muß auch noch eine unheilbare Krankheit haben. Die Mutter stirbt. Katja rennt mit ihrem Henning in weißen Kleidern zielstrebig in die Braunkohlegrube, wo sie von der Polizei umzingelt werden. Sie küssen sich auf den Gleisen, auf denen ein Zug herannaht. Die Richterin wendet sich ab mit einer Miene, als sei ihr der Kanarienvogel entflogen. Na ja.

    Inge Treichel, AP - Fotos: AP, Miramax (2)

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